Bloggen und Twittern für die eigene Karriere

Vorstellungsgespräche kommen heute erst an zweiter Stelle. Davor checken Firmen den Bewerber im Internet.

Besser, wenn dort nur Positives zu finden ist.

Von Sebastian Jannasch

Zunächst war es nur ein Zeitvertreib. Clara Stanghellini suchte nach Gelegenheiten, um mit dem Cello-Spielen etwas dazuzuverdienen. Also meldete sie sich auf dem Berufs-Netzwerk Xing im Internet an – und machte erstmals Bekanntschaft mit den Karriere-Möglichkeiten, die das Netz bietet: Schnell fand sie Kunden, die ihr Streichquartett für Feiern buchten. Inzwischen geht es der 22-Jährigen um mehr. Um Kontakte zu knüpfen und Praktika zu finden, ist Clara auf weiteren Portalen wie Monster und LinkedIn aktiv. „Jeder findet heutzutage im Internet statt. Anstatt sich dagegen zu wehren, sollte man selbst steuern, welchen Eindruck man hinterlässt“, findet die Studentin der Politik- und Wirtschaftswissenschaften aus Erding. Wer ihren Namen googelt, stößt auf Profile, die ihre Studienstationen, ihr Praktikum beim Auswärtigen Amt und Auszeichnungen auflisten. Daraufhin wurde Clara schon mehrfach von Unternehmensberatungen angeschrieben.

Bloggen für die Karriere

Das Internet hat die Arbeitswelt umgekrempelt. Etwa drei Viertel der Deutschen ab 16 Jahren sind online. Und wer beruflich vorankommen will, kann kaum mehr ignorieren, wie er im Netz dasteht. Personalentscheider machen sich auf Facebook, Foren und Portalen wie LinkedIn, Google+, Twitter oder Xing ein Bild von Kandidaten. So bietet das Internet die perfekte Bühne, um seiner beruflichen Selbstdarstellung den richtigen Schliff zu verleihen.

Wenn der Chef dem Bewerber die Hand reicht, ist dies häufig schon der zweite Kontakt – vorher fand bereits eine digitale Begegnung statt. „Je wichtiger die zu besetzende Position, desto üblicher sind Personen-Recherchen im Web: Für den Praktikanten wird sicher nicht das Internet durchforstet, bei jeglicher Anstellung ist es dagegen wahrscheinlich, dass die Suchmaschine angeschmissen wird“, erklärt Christian Scherg, dessen Agentur Revolvermänner sich um die Online-Reputation von Unternehmen und Einzelpersonen kümmert. Auch wenn Firmen von sich aus neue Mitarbeiter rekrutieren, greifen laut Branchenverband Bitkom schon mehr als ein Viertel der Personalverantwortlichen in Deutschland auf soziale Netzwerke zurück. Die Tendenz ist steigend. Wer digital schlecht aufgestellt ist, senkt die Chancen.

Die Online-Präsenz ist keineswegs bloß für Berufseinsteiger relevant: Auch gestandene Maler oder Friseure sollten überprüfen, was für eine digitale Visitenkarte sie haben. Denn wer ihre Dienste in Anspruch nehmen will, bemüht oft die riesige Fundgrube Internet. Freiberufler müssen hier mit originellen Arbeitsproben punkten, Handwerker darauf achten, dass sie auf Bewertungsforen eine gute Figur machen und Anwälte, dass ihre Websites möglichst weit oben bei Google stehen, wenn nach dem Experten für Familienrecht gesucht wird.

Wer seinen Online-Auftritt verbessern will, kann es sich einfach machen oder schwerer. „Ein gepflegtes berufliches Profil im Netz ist ein Muss für jeden“, meint Online-Kommunikationsexperte Klaus Eck, der ein Buch mit dem Titel „Karrierefalle Internet“ geschrieben hat. Um das Talent ins rechte Licht zu rücken, kann es schon genügen, eine Website mit dem eigenen Namen einzurichten, die auf das Profil weiterleitet.

Die anspruchsvollere Variante besteht darin, eine Ich-Marke aufzubauen. Dabei sollte der Selbstvermarkter genau überlegen, für welches Fachgebiet er sich als Experte profilieren will. Schwätzer werden schnell enttarnt. Wer sich hingegen wirklich für Mode interessiert und ausreichend kompetent ist, kann auf seinem Blog regelmäßig neue Trends der Branche vorstellen. Angehende Schauspieler twittern originelle Geschichten aus dem Dreh-Alltag. So lässt sich Aufmerksamkeit gewinnen. Das Wichtigste: Man muss mit anderen Nutzern in einen wirklichen Dialog treten. „Machen Sie Ihr Experten-Wissen zugänglich. Profilieren Sie sich als kompetenter Helfer“, rät Experte Christian Scherg.

Einer, der es geschafft hat, sich als Marke aufzubauen, ist der Wein-Kenner Hendrik Thoma. Zwölf Jahre lang war er Chef-Sommelier im Hamburger Luxushotel Louis C. Jacob. Inzwischen hat der Wein-Fachmann im Internet Kultstatus. Er bespielt die ganze digitale Bandbreite: Twitter-Account, eigene Website, Facebook-Profil. Vor allem aber führt er das Video-Blog „Wein am Limit“, mit dem er den Deutschen die Geheimnisse des Wein-Genusses näher bringt. „Ich wollte mich aus dem elitären Kreis der Wein-Feinschmecker lösen und mich einem breiteren Publikum öffnen. Über die sozialen Netzwerke bekomme ich unmittelbare Rückmeldung“, so Thoma. Seine Online-Marke steigert nun auch den Marktwert im realen Berufsleben. Thomas pointiert vorgetragene Expertise bringt ihm viele Berater- und Vortragsanfragen ein.

Illusionen sollte man sich bei der Selbstinszenierung aber keine machen: Die Ich-Marke entsteht nicht über Nacht. Kompetenz und ein wahres Anliegen sind Voraussetzung. Der Rest ist Arbeit: Regelmäßiges Bloggen, tägliches Twittern, Aktivität in Foren und auch Offline-Auftritte bei Messen sind nötig.

Zudem hat die verstärkte Präsenz im Netz auch eine Schattenseite: „Wer sich in die Online-Öffentlichkeit begibt, muss mit kritischen Beiträgen rechnen“, gibt PR-Fachmann Eck zu bedenken. Hier sei Gelassenheit gefragt. Wird man dagegen im Internet beschimpft, ist es ratsam, den Seitenbetreiber zu kontaktieren und um Löschung zu bitten. Vorsicht ist geboten bei Agenturen, die eine Rundum-Tilgung von Einträgen versprechen.

Auch Wein-Fachmann Thoma hat Erfahrungen mit Negativkommentaren gemacht. Als er behauptete, jeder Rotwein unter fünf Euro sei eine Alkoholbeschaffungsmaßnahme, braute sich eine gewaltige Empörungswelle im Internet zusammen. Verderben konnte ihm das den Spaß am Netz nicht. „Genau dieses Feedback macht den Reiz aus – wer damit nicht umgehen kann, sollte offline bleiben.“

5 Tipps zum guten Ruf im Netz

5 Tipps: So schaffen Sie sich einen guten Ruf im Netz

  1. Bevor Sie mit der Selbstvermarktung loslegen, googeln Sie sich, um herausfinden, welches Image Sie im Netz abgeben. Richten Sie außerdem bei Google einen Alarm für den eigenen Namen ein, um per Mail auf dem Laufenden zu bleiben, wenn neue Einträge im Web über Sie auftauchen.
  2. Erstellen Sie aussagekräftige Profile bei Karriere-Netzwerken wie Xing und LinkedIn, auf denen Sie Fähigkeiten und berufliche Erfahrungen prägnant präsentieren. Heben Sie sich ab, indem Sie auf Spezialisierungen hinweisen. Öffnen Sie Ihre Profile für Suchmaschinen und verlinken Sie Ihre Auftritte untereinander. In der Regel rangieren die Netzwerke weit oben bei der Suchmaschinen-Abfrage. Da dies häufig das Erste ist, was Arbeitgeber sehen, können Sie hier die Wahrnehmung Ihrer Person gezielt steuern
  3. Um sich auf einem Fachgebiet zu profilieren, sollten Sie unter dem eigenen Namen eine Website oder ein Blog führen. Stellen Sie sicher, dass man leicht Kontakt zu Ihnen aufnehmen kann. Wichtig: Entwickeln Sie ein klares Konzept, an wen sich Ihr Angebot richtet. Je nach Branche kann es sinnvoll sein, auf Youtube oder einem Blog eigene Videos zu veröffentlichen. Auch originelles Twittern trägt dazu bei, Ihre Expertise unter Beweis zu stellen.
  4. Kontinuität, Ehrlichkeit und Geduld beim Aufbau der Online-Präsenz sind der Schlüssel zum Erfolg. Nur wer regelmäßig seine Website oder den Video-Kanal bestückt, wird wahrgenommen und kann sich stufenweise als Fachmann etablieren. Schnellschüsse gehen im digitalen Rauschen unter.
  5. Um sich als Experte im Netz zu positionieren, müssen Sie auf Kommentare reagieren und bei Fragen weiterhelfen. Suchen Sie Kontakt zu anderen wichtigen Akteuren Ihrer Branche. Diskutieren Sie in Fachforen kompetent und auch mal provokant mit. Aber vernachlässigen Sie auch den Offline-Bereich nicht, um den Sprung von der virtuellen in die reale Welt zu schaffen. Halten Sie Vorträge oder veröffentlichen Sie Beiträge in Fachmagazinen

So säubern Sie das Internet von übler Nachrede

  1. Die wichtigste Regel, um rufschädigende Einträge zu verhindern, ist eine Binse: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Seien Sie sich im Netz immer bewusst, dass Bilder, Foren-Einträge oder Blog-Artikel nie mehr zu löschen sein könnten. Sollten Sie beispielsweise Facebook nur privat verwenden, aktivieren Sie entsprechende Einstellungen, die Googlern den Zugriff verwehren. Nutzen Sie in Foren nicht Ihren Klarnamen.
  2. Wenn unvorteilhafte Fotos oder Kommentare von Ihnen in sozialen Netzwerken kursieren, entfernen Sie diese ganz oder zumindest Ihre Markierung darauf, falls sich die Bilder nicht in Ihrer Kontrolle befinden. Das Facebook-Konto lässt sich zwar löschen. Wurden aber kompromittierende Beiträge bei anderen Nutzern nicht getilgt, geistern diese weiter durchs Netz. Bitten Sie also den Profil-Inhaber um Entfernung.
  3. Dass ein Blog-Eintrag kritische Kommentare hervorrufen kann, ist selbstverständlich. Hier sollte man souverän reagieren: konstruktiv antworten oder ignorieren. Wenn dagegen unbedacht getippte Bemerkungen über den Arbeitgeber in einem Forum oder aber Beschimpfungen auf Websites auftauchen, sollte man den Seitenverantwortlichen kontaktieren und um Löschung bitten. Ein freundlicher Ton ist da hilfreich. Bei rechtlichen Problemen auf deutschen Seiten lässt sich über denic.de in aller Regel der Betreiber ausfindig machen.
  4. Verlockend erscheint das Angebot von einigen Reputations-Agenturen, die damit werben, Negativeinträge in kürzester Zeit verschwinden zu lassen. Diese vollmundigen Versprechen sind oft nicht zu halten. Denn: Auch sie können Inhalte nicht einfach ausradieren, sondern bloß bei Seitenbetreibern darum ersuchen. Einige Agenturen mögen gute Kontakte zu Website-Betreibern haben, aber eine Garantie gibt es nie.
  5. Da nur Gerichte erzwingen können, Einträge aus dem Netz zu nehmen, sollten Sie wenn möglich nicht zu viel Energie ins Löschen stecken, sondern positive Einträge plazieren, die negative Beiträge auf hintere Plätze der Suchmaschinen drücken.