Lebenslauf à la carte

Viele Stationen im Berufsleben sind kein Problem.

Wichtig ist, die richtigen hervorzuheben – am besten mit Blick auf den Wunscharbeitgeber.

Von Julia Lauer

Irgendwann wird das Leben gesetzter, dauern Arbeitsverhältnisse länger. Unruhiger ist oft der Anfang: Es sind vor allem Berufseinsteiger, die häufig den Job wechseln – weil Arbeitsverträge befristet sind, das Praktikum schon wieder endet, oder auch weil sich eine neue Herausforderung ergibt. Je kleinteiliger und unübersichtlicher die Erwerbsbiographie ist, desto wichtiger wird es, die eigenen Kompetenzen in den Bewerbungsunterlagen möglichst passend zu vermarkten. Ein Lebenslauf reicht dabei oft nicht mehr.

Im Lebenslauf steht, welche Qualifikationen ein Bewerber mitbringt. Hans-Jürgen Bokler zum Beispiel ist im Frankfurter Städel-Museum für die Auswahl des Personals zuständig. Damit er eine Einladung zum Bewerbungs­gespräch verschickt, müssen neben der fachlichen Qualifikation auch „Motivation und Zielstrebigkeit“ aus den Unterlagen hervorgehen. Zum Beispiel durch Praktika im Museumsbereich oder eine kunsthistorische Disser­tation. Fachidioten sucht er aber auch nicht: „Ich bin vorsichtig, wenn ein Bewerber allzu geradlinig erscheint.“

Aber wie viel Vielseitigkeit ist erwünscht? Auslandserfahrung, sagt Bokler, runde die Persönlichkeit ab, ein Mannschaftssport als Hobby hinterlasse einen guten Eindruck, und ein Nebenjob in der Gastronomie während des Studiums zeuge von Selbständigkeit. Kritisch können die Nebenjobs nach dem Studium werden. Mit Master oder Diplom in der Tasche noch im Callcenter zu jobben werfe zwar ein gutes Licht auf denjenigen, der sich auf die Stelle in der PR bewirbt, weil Kommunikationsfähigkeit hier eine Schlüsselkompetenz darstellt. Wer sich aber für den Kunstbereich interessiert, solle so einen Job besser erklären, rät Bokler. Denn: „Schwierig wird es, wenn Leute bequem werden und einfach nur Geld verdienen.“

Bewerbungsexperten empfehlen deshalb, nicht nur das Anschreiben, sondern auch den Lebenslauf auf das betreffende Unternehmen abzustimmen. „Es ist Quatsch, dass das Anschreiben die Weichen stellt“, sagt Jürgen Hesse, der gemeinsam mit Hans Christian Schrader diverse Bewerbungsratgeber verfasst hat. Es sei der Lebenslauf, der Rückschlüsse darauf erlaube, welche Eignung der Bewerber mitbringt und wie er sich in das Unternehmen einbringen kann. Der Lebenslauf habe die Funktion eines Werbeprospekts, sagt Hesse. Deshalb sei der Begriff „Lebenslauf“ missverständlich. Denn es gehe nicht darum, getreulich das ganze Leben nachzu­zeichnen, sondern darum, die berufliche Eignung mit rotem Faden darzustellen.

Alle Unterlagen sollen auf die Branche abgestimmt sein: das Foto (kein knallbuntes wildgemustertes T-Shirt, wenn es um den Posten des Juniormanagers geht), das Layout (eine schlichte Schrift, erst recht als Natur­wissenschaftler) und eben auch die Informationen, die im Lebenslauf aufgeführt sind. Entscheidend sei, nicht zu langweilen, sagt Hesse. „Mit dem Lebenslauf mache ich mich interessant. Ohne zu lügen, setze ich diejenigen meiner Fähigkeiten in Szene, die das Unternehmen brauchen kann.“

Weil unterschiedliche Unternehmen nach unterschiedlichen Fähigkeiten verlangen, ist ein Lebenslauf oft nicht genug. „Wenn ich mich für einen Job in der Industrie interessiere und gleichzeitig mit einer wissenschaftlichen Laufbahn liebäugele, dann brauche ich zwei Lebensläufe“, sagt Petra Lehmann, die hauptberuflich Bewerber trainiert. Die groben Themenblöcke sind in beiden Versionen die gleichen: persönliche Daten, Berufserfahrung, Ausbildung, Weiterbildung Sprach- und EDV-Kenntnisse. Aber in beiden Versionen werden andere Informationen in den Vordergrund gerückt. In der Bewerbung für den Posten in der Wissenschaft sollten die Details zu Doktor­arbeit und Betreuern sowie sämtliche Titel wissenschaftlicher Publikationen enthalten sein. Die Bewerbung für die Stelle in der Industrie rücke die bisherigen praktischen Erfahrungen in der Branche in den Vordergrund. Deshalb erinnert Lehmann die Bewerber in ihren Coachings daran, dass das Zusammentragen der Daten immer nur der erste Schritt ist. Entscheidend sei, den Blick des Arbeitgebers darauf zu lenken, was für ihn relevant ist.

Inzwischen sei es üblich, den Lebenslauf rückwärts chronologisch anzulegen und mit der aktuellsten beruflichen Tätigkeit zu beginnen. Aber Lehmann nennt auch Ausnahmen: wenn nach dem Studium Elternzeit, längere Krankheit oder eine Ansammlung diverser Jobs folgen. In solch einem Fall könne man, wie früher üblich, chronologisch vorwärts erzählen. Denn „Brüche sollten nie zuerst ins Auge stechen.“ Was nicht bedeutet, sie wegzulassen. Sofern es die Struktur erlaubt, sagt Lehmann, stünden Informationen, die gerne unbeachtet bleiben dürfen, am besten in der Mitte – denn dort gehen sie am ehesten unter.

Dennoch sollten auch sie möglichst positiv formuliert werden: Eine Ansammlung von Jobs kann eine Berufs­findungs­phase sein, statt von Elternpause sollten Bewerber lieber von Elternzeit sprechen. In ihren Coachings hat Petra Lehmann erfahren, dass sich auch aus manch einer „Lücke“ noch etwas herausholen lässt. „Oft haben sich die Leute ehrenamtlich engagiert, Projekte geleitet, eine Sprache gelernt.“

Übrigens kann man seinem Glück mit der Wahl des Briefumschlags auf die Sprünge helfen, verrät Petra Lehmann: „Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass diejenigen Bewerber häufiger zum Gespräch eingeladen werden, die ihre Unterlagen im weißen Kouvert verschicken.“