Career Awareness – Karriere von der Zukunft her denken

Karriereentwicklung erfordert heute vor allem die Kompetenz, in Eigenverantwortung schnell neue Fähigkeiten aufzubauen.

… Lebenslanges Lernen ist damit für Mitarbeiter und erst recht für Führungskräfte zunehmend ein Muss. Die Beschäftigungsfähigkeit (Employability) aktiv zu sichern und zu entwickeln ist alternativlos. Die Entwicklungspotenziale, die darin liegen, sind sowohl für das Unternehmen wie auch für jede einzelne beteiligte Person wertvoll.

Career-Awareness

Wie sieht gegenwärtig der Business-Alltag von Führungskräften aus? Nicht wenige fühlen sich wie bei einer Fahrt auf der Achterbahn, je nach Empfindsamkeit auch wie im doppelten Looping. Neben der regulären und anspruchsvollen Führungsaufgabe sind diverse komplexe Projekte zu bewältigen. Möglicherweise bedrohen neue Marktteilnehmer durch disruptive Entwicklungen das Geschäftsmodell des eigenen Unternehmens teilweise oder in Gänze. Datenmengen in der Informationsflut wollen koordiniert werden. Bei Entscheidungen müssen immer häufiger hohe Ambivalenzen akzeptiert werden. Zur Kostenreduktion sind möglicherweise Stellenreduzierungen notwendig, andererseits werden vielleicht Fach- und Führungskräfte mit spezifischen Kompetenzen händeringend gesucht. Willkommen in der VUKA-Welt mit ihrer Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz. Agile Organisationsformen tendieren hin zu flexiblen und selbstorganisierenden Netzwerken aus kleineren bereichs- oder sogar unternehmensübergreifenden Teams. Bei den Entscheidungsträgern ist die Voraussetzung für den erfolgreichen Aufbau dieser Teams die Offenheit und der Mut zu vertrauensvoller Führung. Dies steht im Gegensatz zu der in Deutschland immer noch großen Angst vor Fehlern; German Angst verleiht keine Flügel. Mutiges, disrup-tives Denken und Handeln als Kernbestandteil der Zukunftssicherung kann nur in einer von gegenseitigem Vertrauen geprägten Unternehmenskultur entstehen und sich entfalten. Or-ganisationen benötigen in diesem Umfeld reflektierte, vielseitige und experimentierfreudige Führungspersönlichkeiten mit Offenheit, Selbstbewusstheit und sehr hoher Veränderungs-bereitschaft.

Nur wer sich selbst gut führt, kann auch andere gut führen

Es macht Sinn, sich wöchentlich eine halbe Stunde Zeit zur Selbstreflektion mit der Frage zu nehmen: „Bin ich auf dem richtigen Weg?“ Das ist auch eine Gelegenheit, sich Leistungen Ihres Teams zu vergegenwärtigen, die Sie hervorheben möchten, um damit die Rolle als Sparringspartner Ihrer Mitarbeiter mit Leben zu füllen. Es reicht schon lange nicht mehr aus, nur halbherziger Leistungsbewerter Ihrer Mitarbeiter/Innen zum Jahresende zu sein.
Möglicherweise erscheint Ihnen das alles nicht neu. Aber Hand aufs Herz: Wie oft, wie regelmäßig haben Sie in der Vergangenheit unabhängig von einzelnen Problemstellungen aktiv die Gelegenheit zur vertieften persönlichen Reflektion genutzt und die Erkenntnisse erfolgreich in Verhaltensveränderungen umgesetzt? Tun Sie es ab sofort, Sie schaffen damit einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung Ihrer Beschäftigungsfähigkeit. Und nehmen Sie kein Blatt vor den Mund: Sprechen Sie mit Gleichgesinnten, Vorgesetzen und Mitarbeitern darüber. So verhalten Sie sich vorbildlich und im Sinne Ihrer Karriereplanung!

Zukunft planen

Innehalten beim „Boxenstopp“

Ich rate Führungskräften, jährlich einen „Boxenstopp“ durchzuführen. Nehmen Sie sich mindestens einen halben Tag Zeit dafür, am besten zusammen mit einem qualifizierten Sparringspartner.
Fangen Sie bei der Innenschau mit Ihren Motiven und Werten an. Lassen Sie gerne aufkommende Bilder zu, vielleicht finden Sie eine für Sie stimmige Form der Visualisierung. Denken Sie über Ihre fünf größten Erfolge in den letzen zwölf Monaten nach. Beschreiben Sie genau, welche Ihrer Aktivitäten zum Gelingen beigetragen haben. Danach schauen Sie sich an, welche persönlichen Fähigkeiten und Haltungen hier erkennbar sind. Diskutieren Sie anschließend die Frage, ob und wie diese in andere Rahmenbedingungen und zu-künftige Herausforderungen übertragbar sind. Nehmen Sie sich danach zwei Situationen vor, die Sie als Misserfolg empfunden haben. Auch hier sollten Sie genau überlegen, welche Ihrer persönlichen Handlungen zu dem Ergebnis beigetragen haben. Reflektieren Sie, welche alternativen Lösungsstrategien vorhanden gewesen wären und welche Entwicklungsfelder sich darin für Sie zeigen. Bei dieser Arbeit an Ihrem persönlichen Inventar ist es wichtig, dass Sie nicht nur im „Kopf“ bleiben. Hören Sie auch Ihrem „Bauch“, Ihrer emotionalen Intelligenz, zu. C. Otto Scharmer beschreibt in seiner „Theorie U“, dass Führungskräfte zuallererst an der Weiterentwicklung und Kultivierung der eigenen Aufmerksamkeit arbeiten sollten, sich selbst und anderen zuhören um damit auch intuitiv künftige Möglichkeiten zu erahnen. Betten Sie Ihre Erkenntnisse in die persönliche und berufliche Zukunftsplanung ein. Denken Sie von der Zukunft her: Was ist ihr möglicher übernächster Karriereschritt? Abwarten ist keine Option.

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Selbstführung als Karrierevorsorge

Die digitale Welt ist vor allem eines: schnell. Früher fraßen die Großen die Kleinen auf. Heute verleiben sich die Schnellen die Langsamen ein; Beispiele finden Sie an jeder Ecke. Dennoch ist es gerade jetzt für jeden Entscheider mehr als sinnvoll, temporär den Handlungsdruck rauszunehmen. Widerstehen Sie der Gewohnheit, sofort zu reagieren. Unter extremen Anforderungen können Menschen unflexibel, innerlich verunsichert und gleichzeitig starr werden. Aufgebrachtes und automatisches Reagieren kann an die Stelle von überlegtem und flexiblem Handeln treten. Aktivitäten werden hier zwar schnell ergriffen, aber sind diese auch sinnvoll und zielführend?
Führen Sie vor allen Dingen zunächst einmal sich selbst, das ist der Schlüssel. Der regelmäßige, konkrete und offene Blick auf Ihre eigenen Motive und Wertvorstellungen, Fähigkeiten sowie Entwicklungsfelder, ist Ihr wichtigstes Navigationsinstrument und schärft die Klarheit über Ihre eigene Zielsetzung. Es gilt, wohlwollend den eigenen Zustand zu erforschen, sich mental vorzubereiten und zu reflektieren, um klarer denken, moderieren und handeln zu können. Vielleicht gefällt Ihnen für diese Arbeit das Modewort „Achtsamkeit“. Damit verbreitern Sie die Basis für reflektiertes und vertrauensvolles Verhalten im Umgang mit den Mitarbeitenden. Stimmige innere Orientierung ist die Voraussetzung für über-zeugende Interaktion mit Ihrem Gegenüber.
Ihr wichtigstes Hilfsmittel dabei? Innerlich Abstand gewinnen, eine Beobachter-Perspektive mit Blick auf sich selbst einnehmen und sich zurücklehnen.

Klaus Bongardt ist Gesellschafter und Experte für Karriereberatung und Einzel-Outplace-ment des Beratungsunternehmens P4 Career Consultants GmbH & Co. KG