Frankreichs Arbeitslosigkeit sinkt wieder

Hollande verbindet Kandidatur mit Erwerbslosenzahl

PARIS, 26. Oktober. Die Arbeitslosigkeit hat in Frankreich im September so stark nachgelassen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Im vergangenen Monat sind gut 66 000 Personen weniger als im August als arbeitslos gemeldet worden. Die monatlichen Zahlen, die das Arbeitsministerium ausweist, schwanken stark. Im August hatte sich noch eine Erhöhung um 50 000 Personen ergeben. Die Regierung weist jedoch auf eine abnehmende Tendenz hin, wenn man den Zeitraum seit Jahresbeginn oder der vergangenen zwölf Monate heranziehe. Seit Januar 2016 habe sich die Zahl der Arbeitssuchenden um 90 000 verringert, berichtete das Arbeitsministerium, also um durchschnittlich 10 000 Personen seit Jahresbeginn. Die Opposition sprach dagegen von „seltsamen“ Schwankungen, die schwer zu erklären seien.

Die Arbeitslosenstatistik ist nicht nur wirtschaftlich in Frankreich von großer Bedeutung, sondern auch politisch. Präsident François Hollande will nach eigenen Angaben nur für ein neues Mandat kandidieren, wenn „die Kurve der Arbeitslosigkeit nach unten gerichtet ist“. Die Opposition weist darauf hin, dass das Heer der Arbeitslosen in Hollandes Amtszeit immer noch um rund 600 000 Menschen auf 3,49 Millionen Personen oder knapp 10 Prozent der arbeitenden Bevölkerung gestiegen sei.

Der jüngste Rückgang geht auch stark auf staatliche Ausbildungsmaßnahmen zurück, die von der Regierung in den vergangenen Monaten erheblich ausgebaut wurden. 500 000 neue Ausbildungsstellen sollen in diesem Jahr geschaffen werden. Zudem schlagen sich statistische Effekte nieder, etwa die Bereinigung der Daten um Personen, die sich beim Arbeitsamt nicht mehr melden. Der ehemalige Arbeitsminister François Rebsamen, der Hollande nahesteht, meinte am Mittwoch, dass Hollande nur kandidieren könne, weil er „sein Versprechen eingehalten hat“.

chs.

 

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