Frauenförderung bleibt ein zähes Geschäft

Rücken Frauen zunehmend in Führungspositionen vor, wie es viele Unternehmen als Ziel ausgegeben haben?

Ja, schon. Aber nur sehr langsam, wie vier Beispiele zeigen.

Von Manfred Köhler

FRANKFURT. Dies ist der fünfte Artikel in einer Serie, von der nur eine Folge im Jahr erscheint. Seit 2012 berichtet diese Zeitung am Beispiel der Deutschen Bank, der Commerzbank, des Flughafenbetreibers Fraport und der Frankfurter Messegesellschaft, wie die Förderung von Frauen vorankommt. Der Gedanke dahinter: Es hilft nicht, immer bloß auf den Frauenanteil in Vorständen, Geschäftsführungen und Aufsichtsräten zu schauen. Weil auch Frauen nicht aus dem Stand für Chefposten qualifiziert sind, stellt sich die Frage, wie sich ihr Anteil in den Hierarchie-Ebenen darunter entwickelt. Erst wenn genügend Führungskräftenachwuchs bereitsteht, kann man ernsthaft damit rechnen, dass Frauen auch in die obersten Etagen einrücken.

Einmal im Jahr stellen deshalb die vier Unternehmen Daten darüber bereit, wie es um den Frauenanteil auf den verschiedenen Ebenen steht. Die auf den ersten Blick etwas komplizierte Grafik auf dieser Seite gibt insofern einen Einblick, wie man ihn sonst selten findet, allenfalls versteckt in Geschäftsberichten. Das Fazit lautet in diesem Jahr ebenso wie in den früheren Jahren: Es geht voran – aber sehr, sehr langsam.

Am besten lässt sich die Entwicklung bei der Deutschen Bank nachvollziehen, die allerdings bei den veröffentlichten Zahlen nur grob zwischen dem „Oberen Management“ und Führungspositionen insgesamt unterscheidet. Bei der erstgenannten Kategorie ist der Frauenanteil bis 2012 bis 2016 von 18 auf 21 Prozent gestiegen, also um drei Prozentpunkte. Die Parität zwischen Frauen und Männern würde demnach in diesem Konzern bei einem gleichbleibenden Anstieg erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts erreicht. Bei den Führungspositionen insgesamt ist der Anstieg seit 2012 noch weitaus langsamer verlaufen, allerdings auf einem etwas höheren Niveau.

Immerhin steigen die Zahlen bei der Deutschen Bank kontinuierlich an. Bei allen drei anderen Unternehmen waren auf der Ebene unmittelbar unterhalb des Vorstands zuletzt sogar Rückschritte zu verzeichnen. Das kann allerdings bei der geringen Zahl von Führungspositionen auf dieser Ebene auch daran liegen, dass einmal eine einzige Frau ausscheidet. Nimmt man die gesamten Jahre von 2012 bis 2016 in den Blick, so ist im Kreis der vier hier ausgewählten Konzerne die Commerzbank am weitesten gekommen mit einem Zuwachs von zehn Prozentpunkten bei den Abteilungsleitern und von neun Punkten bei den Bereichsvorständen. Fraport steigerte den Frauenanteil in der Bereichsleitung um immerhin sieben, in der dritten Führungsebene um sechs Prozentpunkte. In der Messegesellschaft hingegen war man trotz zwischenzeitlicher Schwankungen 2016 nicht viel weiter als 2012.

Dabei fehlt es nirgendwo an Bekenntnissen dazu, Frauen zu fördern. Auf die Frage, warum trotzdem so wenige vorankommen, gibt es ganz unterschiedliche Antworten. Nicht unwichtig dürfte jedenfalls sein, wie das Personal schon jetzt in den allerobersten Etagen zusammengesetzt ist. Nach wie vor stellen Frauen auch dort eine Minderheit dar, auch wenn die Zeiten, in denen nahezu alle wichtigen Konzerne des Rhein-Main-Gebiets ausschließlich von Männern geleitet werden, lange vorbei sind. Unter den hier ins Auge genommenen Konzernen hat allein die Commerzbank bis zur Stunde noch einen Vorstand, der bloß aus Männern besteht, doch ist die Berufung von Bettina Orlopp zum Vorstandsmitglied absehbar. Sie zeichnet bis auf weiteres als Generalbevollmächtigte und soll, wenn sie denn aufrückt, unter anderem für Personal zuständig sein.

Dem Vorstand der Deutschen Bank gehören in Kim Hammonds und Sylvie Matherat inzwischen zwei Frauen an, die allerdings angesichts ihrer Kompetenzen (IT und Regulierung) für die Öffentlichkeit nicht so von Interesse sind wie andere Vorstandsmitglieder. Die Messegesellschaft kann einen Frauenanteil von 13 Prozent nur angeben, weil Iris Jeglitza-Moshage der erweiterten Geschäftsleitung angehört. Bei den drei Geschäftsführern, die den engeren Führungskreis bilden, handelt es sich nach wie vor ausschließlich um Männer. Am besten steht noch Fraport da, wo im Vorstand Anke Giesen drei Männern gegenübersitzt, das ergibt eine solide Quote von 25 Prozent.

Frauenförderung

 

Große Karrieren von Frauen hat es in den vergangenen Monaten im Rhein-Main-Gebiet nicht gegeben. Der Blick hatte sich etwa auf Simone Menne gerichtet, die es bei der Lufthansa bis zum Finanzvorstand gebracht hatte, in jüngerer Zeit zunehmend eine Position, von der aus man als Nächstes Vorstandsvorsitzender wird. Doch diese Posten ist bei der Lufthansa gerade nicht zu vergeben. Menne wechselte, wiederum als Finanzchefin, zu Boehringer Ingelheim. Auf die erste Frau, die einen Dax-Konzern leitet, heißt es weiter zu warten, auch im Rhein-Main-Gebiet, aber nicht nur hier.

 

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