"Computer kennen keinen Nasenfaktor"

Wie Software die Arbeit von Personalmanagern übernimmt

Herr Kull, Sie entwickeln Software, die Aufgaben des Personalwesens übernimmt. Wie wirkt sich das auf den Alltag der Mitarbeiter Ihrer Kunden aus?

Unsere Angebote für das Personalwesen helfen Unternehmen zuerst dabei, die Daten ihrer Mitarbeiter zu verwalten. Sie ähneln vom Design her aber gleichzeitig Kommunikationsplattformen, die sich an Verbraucher richten wie die Netzwerke Facebook oder Linkedin. Die Mitarbeiter können sich in Profilen präsentieren, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten angeben oder benennen, welche Herausforderungen sie innerhalb des Unternehmens suchen. Zugleich hat die Personalabteilung die Möglichkeit, jederzeit mit allen Mitarbeitern zu kommunizieren. Dadurch entsteht ein höherer Austausch, der das Engagement zwischen Mitarbeitern und dem Unternehmen insgesamt erhöht.

Was bringt das den Unternehmen?

Wir haben bei unserem Kunden IBM eine Umfrage unter Mitarbeitern gemacht, die ergab, dass die Einführung unseres Systems die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht hat. Bei Hewlett-Packard haben sich mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter innerhalb der ersten vier Wochen nach Einführung im System angemeldet, Daten eingegeben oder geändert – so ein hohes Engagement gab es dort noch nie bei Einführung einer neuen Software.

Wie verwenden die Unternehmen das Wissen, das sie aus den Daten ziehen?

Unsere Kunden spiegeln uns, dass wir Manager in die Lage versetzen, bessere Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel bei guten Mitarbeitern, die Gefahr laufen, das Unternehmen verlassen zu wollen. Unsere Algorithmen können aus Personaldaten nicht nur Muster erkennen, welche Talente sich mit Abwanderungsgedanken tragen, sondern auch sehr konkrete Empfehlungen abgeben, wie ein Mitarbeiter gehalten werden könnte. Bei der Kalkulation beziehen sie unter anderem die Leistung des Mitarbeiters, seine Bewertung durch den Vorgesetzten oder auch Informationen mit ein, wie andere Talente in der Vergangenheit gehalten werden konnten. Der Computer geht an solche Entscheidungen ohne Vorurteile heran, also ohne den „Nasenfaktor“, bei dem Führungskräfte womöglich Entscheidungen danach treffen, ob ihnen die Nase des jeweiligen Mitarbeiters passt oder eben nicht. Viele Unternehmen sind zudem nicht in der Lage, intern die richtigen Mitarbeiter für bestimmte Projekte zu finden. Die Datenanalyse kann dabei helfen.

Kennen Sie die Mitarbeiter der Kunden also besser als diese selbst?

Die Antwort ist ein klares Nein. Wir sind ein Datenverarbeiter und kein Datenkontrolleur. Wir haben keinen Zugriff auf die Mitarbeiterdaten. Wir wissen zwar, dass unsere Kunden derzeit die Angaben und Informationen von 17 Millionen Mitarbeitern über unsere Plattform verwalten. Wie diese Daten aber im Einzelnen aussehen, wissen wir nicht.

Dennoch helfen diese Daten den Kunden, sehr viel über ihre Mitarbeiter und deren Verhalten zu erfahren. Wie stehen Sie zu Sorgen vor Überwachung?

Keiner unserer Kunden in Deutschland hat unser System eingeführt, ohne das eng mit seinem Betriebsrat abzustimmen. Es ist klar geregelt, wer technisch überhaupt in der Lage ist, auf die Daten zuzugreifen oder sie zu verändern. Außerdem werden viele Daten über Workday zur Verfügung gestellt, die ohnehin schon vorhanden waren. Nur eben analog, in den Mitarbeiterakten der Personalabteilung.

Wenn der Algorithmus entscheidet, wo bleibt das Bauchgefühl der Personaler?

Wir verstehen uns letztlich als eine Art Navigationssystem. Unsere Technik gibt eine mögliche Route vor. Ob der Manager sie wählt, muss er selbst entscheiden.

Die Fragen stellte Martin Gropp.

 

 

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