Erstmals sind mehr als 10 Prozent der Dax-Vorstände weiblich

Die Vorstandsgremien der großen börsennotierten Unternehmen werden noch immer von Männern dominiert.

… Zwar bröckelt die Männerbastion, allerdings nur sehr langsam. Im vergangenen Jahr ist der Frauenanteil in den Dax-Vorständen von 9,2 auf 11,3 Prozent gestiegen, er übertraf damit erstmals die Marke von 10 Prozent. Im Jahr 2005 lag der Anteil noch bei rund einem Prozent. Inzwischen haben 17 der 30 Dax-Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand, vor einem Jahr waren es lediglich 15.

Der Dax ist dabei das Börsensegment mit dem höchsten Frauenanteil, wie eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young) zeigt. In den Unternehmen des M-Dax, S-Dax und Tec-Dax scheint der Aufstieg für Frauen noch schwieriger zu sein, in allen drei Segmenten liegen die Frauenanteile deutlich niedriger. Schlusslicht ist der Tec-Dax mit lediglich 3,9 Prozent. Dort ist der Anteil in den vergangenen Jahren sogar geschrumpft. Insgesamt stehen in den Vorständen der 160 in der Dax-Gruppe gelisteten Unternehmen 45 Frauen 630 Männern gegenüber, das sind sechs Frauen mehr als vor einem Jahr. Die Wirtschaftsprüfer bewerten die Zunahme als schleppend: Wenn die Zahl der Frauen in den Vorständen weiter so langsam steige wie im vergangenen Jahr, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnen die Wirtschaftsprüfer vor: „Deutsche Vorstandsetagen sind nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen“, sagt EY-Deutschland-Chef Hubert Barth. Zwischen den Branchen gibt es dabei erhebliche Unterschiede: Die meisten Frauen finden sich derzeit in der Finanzbranche, die wenigsten in IT-, Software- und Technologieunternehmen.

Auf den obersten Chefsessel haben es bislang nur ganz wenige Frauen geschafft. Nur drei der 160 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland werden derzeit von Frauen geführt. Neben Anke Schäferkordt bei RTL und Dolores Schendel beim Biotechnologie-Unternehmen Medigene hat es zum Jahreswechsel auch Angela Titzrath geschafft: Sie führt seit einigen Tagen Hamburgs größten Hafenbetrieb HHLA, der im S-Dax notiert ist. Im Dax ist bislang noch keiner Frau der Aufstieg auf einen Chefsessel gelungen.

Deutlich höher als in den Vorstandsgremien ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten. Dort hat der Gesetzgeber aber mit einer gesetzlichen Mindestquote von 30 Prozent nachgeholfen.

tine.

 

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