Feuerwehrleute beliebter als Manager

Dass Wirtschaftslenkern mehr misstraut wird, liegt auch an der Autokrise.

… Dafür vertrauen viele Bürger dem Staat, vor allem jüngere.

Das Misstrauen der Deutschen gegenüber Managern und Unternehmern wächst. Zugleich glauben wieder mehr Bürger an segensreiche Kräfte des Staates: Allein 75 Prozent meinen, in einer globalisierten Gesellschaft sei ein starker Staat nötig, „der die Bürger vor ausufernden Entwicklungen schützen kann“. Seit dem Jahr 2007 hat sich dieser Anteil damit um fast 10 Prozentpunkte erhöht. Umgekehrt meinen noch 55 Prozent, Unternehmer hätten ein hohes Ansehen verdient; dies sind 6 Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Das Ansehen angestellter Manager ist gar um 11 Punkte auf 26 Prozent geschrumpft. Das zeigt die Neuauflage einer jährlichen Repräsentativumfrage des Forsa-Instituts für den DBB Beamtenbund.

Die derzeitige Vertrauenskrise der Autoindustrie und ihrer Manager dürfte dabei eine schon bestehende Grundskepsis gegenüber der Wirtschaft noch verstärkt haben, erläuterte der Leiter des Forsa-Instituts, Manfred Güllner, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag in Berlin. Einen starken Dämpfer hatte das Ansehen von Managern den Erhebungen zufolge schon zuvor wegen der Finanz- und Wirtschaftkrise von 2008 an erlitten. Umgekehrt dürfte das gestiegene Vertrauen in den Staat auch mit den Terrorgefahren zu tun haben, in deren Folge sich etwa die Einstellung zur Polizei verbessert hat.

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Dies verdeutlicht auch die Rangliste der Berufsfelder, deren Ansehen die Umfrage jährlich ermittelt: Vor zehn Jahren sprachen 78 Prozent der Befragten Polizisten ein hohes Ansehen zu, nun sind es 87 Prozent. Allein seit 2016 ist der Zuspruch um 5 Prozentpunkte gewachsen. Doch haben auch andere Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes, die lange Zeit skeptisch betrachtet wurden, deutlich im Ansehen zugelegt. So verbesserten sich Lehrer in den zehn Jahren von 63 auf 75 Prozent. Ähnliches gilt für Beamte als allgemeine Statusgruppe, wenn auch auf niedrigerem Niveau: Sie kletterten von 27 auf 38 Prozent.

Grundsätzlich zeigen sich die Befragten fast durchweg umso wohlwollender, je klarer sie konkrete Tätigkeiten mit den Berufen verbinden – zumal, wenn sie Schutz und Hilfe dienen. Das erklärt, weshalb Feuerwehrleute seit je an der Spitze der Rangliste stehen, gefolgt von Ärzten, Pflegekräften und Erziehern. Nebenbei handelt es sich um Bereiche, in denen in jüngerer Zeit viel Personalaufbau stattgefunden hat. So ist laut Bundesagentur für Arbeit seit 2013 allein die Zahl der Beschäftigten im Berufsfeld Kinderbetreuung um 20 Prozent auf mehr als 800 000 gestiegen. Diese Zahl umfasst öffentliche und private Arbeitgeber gleichermaßen.

Die insgesamt gesunkene Skepsis gegenüber Staat und öffentlichem Dienst zeigt sich allerdings auch in anderer Hinsicht: Vor zehn Jahren vertraten noch 58 Prozent der Befragten die Ansicht, der öffentliche Dienst koste die Steuerzahler zu viel Geld; nur 37 Prozent sahen das ausdrücklich anders. Inzwischen finden nur noch 33 Prozent den öffentlichen Dienst zu teuer. Dagegen weisen 64 Prozent diese Einschätzung zurück.

In der Generation der 14- bis 29-Jährigen äußerten sich sogar 75 Prozent in diesem Sinne großzügig gegenüber dem Staat – was den DBB-Vorsitzenden Klaus Dauderstädt am Donnerstag zu demonstrativer Freude veranlasste. Jüngere Menschen seien mittlerweile „regelrechte Staats-Fans“, stellte er fest. Ob diese Generation dem Staat auch noch die Treue hält, wenn die Staatseinnahmen weniger sprudeln und sie durch höhere Steuern und Abgaben wachsende Beamtenpensionen finanzieren müssen, wird durch künftige Befragungen zu klären sein.

Die aktuelle Erhebung liefert mit Blick auf die Bundestagswahl auch ein Bild der politischen Einstellungen unter den Staatsbediensteten. Dabei bestätigt sich, dass Beamte etwas konservativer eingestellt sind als die übrige Gesellschaft, während Tarifbeschäftigte des öffentlichen Dienstes etwas mehr nach links tendieren. So können CDU/CSU unter den Beamten derzeit mit 46 Prozent der Stimmen rechnen, die SPD nur mit 23 Prozent, wie die Forsa-Umfrage zeigt. Unter den Tarifbeschäftigten würden dagegen 36 Prozent CDU/CSU wählen, zugleich aber 27 Prozent die SPD und 10 Prozent die Linkspartei.

Zweierlei unterscheidet indes beide Gruppen in gleicher Weise von der übrigen Gesellschaft: Die Grünen sind mit Werten von 11 bis 12 Prozent unter Beamten wie auch Tarifbediensteten besonders beliebt. Die AfD hingegen könnte im öffentlichen Dienst nach aktuellem Stand allenfalls knapp über 5 Prozent kommen.

 

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