Frankreich droht mit Gesetz gegen Managergehälter

Frankreich streitet mal wieder um die Gehälter seiner Autobosse, doch diesmal hat eine Streitpartei die Seiten gewechselt.

Frankreich streitet mal wieder um die Gehälter seiner Autobosse, doch diesmal hat eine Streitpartei die Seiten gewechselt: Die Renault-Aktionäre haben kürzlich auf der Hauptversammlung die Vergütung ihres Vorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn zu rund 54 Prozent abgelehnt. In den Jahren davor hatte der Renault-Chef, der gleichzeitig den japanischen Schwesterkonzern Nissan als Vorstandsvorsitzender führt, immer die Unterstützung der Anteilseigner erhalten. Unter den Opponenten findet sich auch der französische Staat, der 20 Prozent an Renault hält. In Form von Wirtschaftsminister Emmanuel Macron ist dieser umso aufgebrachter, als die Renault-Führung das Votum der Aktionäre bisher ignoriert. Der Verwaltungsrat blieb ausdrücklich bei seiner Entscheidung, Ghosn für das vergangene Jahr einschließlich der erfolgsabhängigen Bestandteile 7,2 Millionen Euro zukommen zu lassen – ungefähr so viel wie im Vorjahr.

 

Renault verweist darauf, dass der in Frankreich vom Arbeitgeberverband ausgearbeitete Vergütungskodex nur die „Konsultation“, aber nicht die Mitbestimmung durch die Aktionäre vorsehe. Ghosn habe ganze Arbeit geleistet, Renault gehe es heute wieder gut, da könne sein Gehalt nicht gesenkt werden, heißt es.

 

Ghosn erhielt im vergangenen Jahr insgesamt rund 15 Millionen Euro, 8 Millionen davon von Nissan. Das sei zwar mehr als jeder CAC-40-Manager in Frankreich bekomme, doch es liege im Rahmen dessen, was die Vorstandsvorsitzenden anderer Autokonzerne wie Ford oder Fiat erhielten, sagen Fürsprecher des Renault-Chefs. Aktionärsvertreter halten dagegen, dass Ghosn allein für Renault mit einer fixen Vergütung von 1,23 Millionen Euro 25 Prozent mehr als das Mittel der CAC-40-Manager einstreiche – doch das nur für eine halbe Stelle, denn die andere Hälfte arbeite er ja für Nissan.

 

Minister Macron hat in der Nationalversammlung den Renault-Verwaltungsrat aufgerufen, sich die Entscheidung abermals zu überlegen. Ansonsten werde die Regierung gesetzlich eingreifen. Damit könnte Ghosns seinen Managerkollegen einen Bärendienst erweisen. Diese wollen alles, nur keine Einmischung des Staates.

 

Ghosn Amtskollege – Carlos Tavares von Peugeot-Citroën, der einst dessen Nummer zwei bei Renault war – hat gerade die Verdoppelung seiner Vergütung auf 5,2 Millionen Euro zugestanden bekommen. Doch ihm stimmten 77 Prozent der Aktionäre zu und drängten so den Staat mit seinen 14 Prozent in die Minderheit. Tavares sieht sich nach eigenen Angaben wie ein Fußballprofi oder ein Formel-1-Pilot, „für die es einen Markt gibt“. Und er erhalte nur ein Drittel oder die Hälfte der Vergütung anderer Autobosse. „Solche Tatsachen sind nicht hörbar, doch sie sind eine Realität“, sagte er. chs.

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