Gierige Manager müssen sich künftig warm anziehen

Viele Aktionäre klagen über sehr hohe Vergütungen von Vorständen oder Aufsichtsräten in manchen Unternehmen.

gb. FRANKFURT, 2. Mai. Viele Aktionäre klagen über sehr hohe Vergütungen von Vorständen oder Aufsichtsräten in manchen Unternehmen. Volkswagen ist ein aktuelles Beispiel. Vielen Aktionären bleibt nicht mehr als Kritik, aber im hohen Norden befindet sich ein Investor, dessen Kritik Wirkung entfalten kann: Denn der staatliche norwegische Ölfonds vermag es, Trends an Aktienmärkten zu setzen. So geht die mittlerweile verbreitete Neigung vieler Großanleger wie der Allianz, sich von Aktien von Kohleunternehmen zu trennen, auf das norwegische Vorbild zurück. „Wir legen großen Wert darauf, ein verantwortungsbewusster Aktionär zu sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Fonds, Yngve Slyngstad, dieser Tage vor einem Parlamentsausschuss in Oslo.

 

Der Fonds ist nicht irgendwer: Mit Beteiligungen an mehr als 9000 Unternehmen und einer durchschnittlichen Beteiligung von 1,3 Prozent ist der Fonds der größte Aktieninvestor der Welt. Das Vermögen des Fonds beträgt umgerechnet rund 750 Milliarden Euro.

 

Bisher hat sich der norwegische Ölfonds in Vergütungsfragen zurückgehalten. Aber dies soll sich nun ändern. „Wir haben uns eher mit Vergütungsstrukturen als mit Vergütungsniveaus befasst“, sagte Slyngstad in einem Gespräch mit der „Financial Times“. „In Anbetracht der Entwicklung der Vergütung von Managern werden wir uns anschauen, wie eine angemessene Vergütung auszusehen hat.“ Slyngstad räumte ein, dass der Fonds noch keine konkrete Strategie entwickelt hat. In den kommenden Monaten wolle sich der Fonds erstmals öffentlich zur Gehaltspolitik eines Unternehmens äußern, kündigte der Norweger an.

 

Der Fonds soll einen Beitrag zur Alterssicherung der norwegischen Bevölkerung leisten. Er profitiert von Speisungen aus dem Verkauf norwegischen Öls und Gases; außerdem hat er in der Vergangenheit hohe Renditen auf sein Kapital erzielt. Einer alten amerikanischen Tradition folgend, investiert der Fonds 60 Prozent seines Vermögens in Aktien. Dies ist eine im Vergleich zu anderen Staatsfonds sehr hohe Aktienquote und erklärt, warum der Fonds als größter Aktienanleger in der Welt gilt, obgleich er in der Rangliste der größten Gesamtvermögen nicht vorne liegt. Lange Zeit hielt der Fonds die restlichen 40 Prozent seines Vermögens in Anleihen. Angesichts der niedrigen Renditen reduziert der Fonds seinen Anleihebestand, um rund um den Globus in hochwertige Immobilien zu investieren.

 

Der Fonds ist der Notenbank angegliedert, während das Parlament über Grundsätze der Anlagepolitik mitentscheidet. So ging die im Jahr 2015 beschlossene Trennung von Beteiligungen an Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen, auf einen Beschluss des Parlaments zurück. Außerdem verkaufte der Fonds Aktien asiatischer Unternehmen, deren Produktion von Palmöl mit schweren Umweltschäden einhergeht.

 

In die konkrete Unternehmensführung hatte sich der Fonds früher kaum öffentlich eingemischt. Seit einiger Zeit nimmt er aktiv an der Besetzung von Aufsichtsräten teil. Mit der Einmischung in Vergütungsfragen könnte er Messlatten setzen, an denen sich andere große Anleger orientieren werden. Sollte er sich an skandinavischen Maßstäben orientieren, könnte es für Manager in anderen Ländern schwierig werden. Denn skandinavische Manager gelten im internationalen Vergleich als schlecht bezahlt.

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