Selbstvermarktung: ‚Kopf gerade, nicht wackeln‘

Im Gespräch: Kornelia Straub-Kuri, Kommunikationstrainerin

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Quelle: DPA

Viele Frauen verkaufen sich unter Wert. Von männlichen Rangspielchen haben sie keinen blassen Schimmer – und bleiben deshalb außen vor. Doch wer Erfolg haben will, muss sich ändern.

Frau Straub-Kuri, wann haben Sie entdeckt, dass es den kleinen Unterschied auch in der Kommunikation gibt?

Ich habe etliche Jahre im Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie und in der Paar-Beratung gearbeitet. Die Missverständnisse, die da zwischen Männern und Frauen auftauchen, fand ich schon immer hochinteressant. Im beruflichen Bereich beschäftige ich mich seit über zwanzig Jahren damit und habe festgestellt, dass wesentlich mehr auf der nonverbalen Ebene stattfindet, als wir uns vorstellen.

Ist denn der private mit dem beruflichen Bereich vergleichbar?

Das Spiel um den Rang – wer hat mehr zu sagen, wer hat Macht – üben wir schon im Kindergarten. Diese Spiele haben wir genetisch in uns, und sie ziehen sich vom Kindesalter bis ins Erwachsenenleben hinein. Die Probleme verändern sich im Laufe der Zeit, denn das Verhalten wird ausgefeilter.

Sprechen Männer und Frauen in beruflichen Dingen denn eine ganz andere Sprache, oder ist es nur ein Dialekt?

Wenn wir nur von den Prototypen ausgehen, sind es tatsächlich zwei unterschiedliche Sprachen. Natürlich gibt es Anpassungsmöglichkeiten. Es gibt Männer, die sich nonverbal etwas femininer ausdrücken, es gibt Frauen, die dies umgekehrt etwas maskuliner tun.

Wenn Männer und Frauen so unterschiedlich ticken, wie soll man denn gemischte Teams als Chef ansprechen?

Da empfehle ich immer die Schrotladung. Ich bringe das, was Männer verstehen können, und das, was Frauen verstehen. Ich mache eine klare Anweisung für Männer und flechte hinterher für den weiblichen Teil noch eine Feedback-Schleife rein. Bei einem Mann kann ich klar sagen: ,Gehen Sie nach rechts.‘ Bei einer Frau sage ich: ,Gehen Sie nach rechts. Ich denke, Sie haben nichts dagegen.‘ Dann ist das für eine Frau in Ordnung.

Warum sind gerade Rangsignale so wichtig im Berufsleben?

Frauen müssen verstehen, dass es eben nicht nur um die fachliche Qualifikation, sondern auch um all die Nuancen im Kommunikationsbereich geht. Das ist wichtig, weil wir sonst die Anerkennung nicht bekommen. Die fachlichen Kenntnisse, die in einer Führungsposition gefordert sind, machen nur etwa 50 Prozent aus. Die anderen 50 Prozent bestehen im Ausdruck, im Auftritt, im Charisma und in dem Beherrschen von Machtspielchen. Das ist leider so – nicht nur in der Politik, sondern auch in jedem Unternehmen.

Das heißt, die Frauen müssen sich ändern, nicht die Unternehmen?

Ganz klarer Appell: Die Frauen müssen sich ändern. Stellt euch nicht als Opfer dar und wartet darauf, dass sich die Unternehmenskultur ändert. Die ändert sich erst dann, wenn ihr euch verändert. Ich rede übrigens nicht davon, andere Menschen plattzumachen. Macht kann etwas sehr Positives sein. Mächtig ist jemand, der etwas bewirken kann. Aber das geht nur, wenn ich die Machtkommunikation nutze.

Und wo fängt man an?

Mein wichtigster Tipp ist: Sucht euch Vorbilder. Das sind Frauen, die so eine Autorität, eine Eleganz und ein Charisma ausstrahlen, dass man sie respektiert. Schaut euch an, wie sie laufen, wie sie lachen, wie sie sich bewegen. Viele Frauen haben sehr früh gelernt, eine devote Haltung einzunehmen, vielleicht ein bisschen schüchtern sein. Aufrecht stehen, Kopf gerade, nicht wackeln, Hände ruhig. Das sind einfach Dinge, die man sich gut abschauen kann.

Bei wem zum Beispiel?

Bei der Queen. Allein die Körperhaltung von der Frau, die Art, wie sie ihre Blicke einsetzt und ihren Kopf dreht. Da kann man viel davon lernen. Das ist für mich ein Prototyp. Das trainiert man dann vor dem Spiegel und in der Wirklichkeit, um die Wirkung zu testen. Manchmal gibt es aber Kleinigkeiten im Ausdruck, die eine Änderung der inneren Einstellung erfordern. Die rührt dann meist von dem, wo ich herkomme und was ich gelernt habe. Wenn der Satz tief sitzt, dass Frauen leise und zurückhaltend sein sollen, habe ich Schwierigkeiten, etwas anderes umzusetzen. Wer auf solche inneren Widerstände stößt, sollte mit einem professioneller Coach an die tiefsitzenden Hindernisse gehen. Aber in erster Linie ist es banal: Guck dir was Gutes ab, probiere es aus!

Bekomme ich denn die Wirkung immer so unmittelbar mit?

Ja. Sie sehen bei Menschen sofort, wo die im Rang stehen. Da geht es übrigens nicht darum, welchen Status die haben, da geht es nicht um die Visitenkarten. Dort kann Geschäftsführer draufstehen, doch das ist etwas ganz anderes als der Rang. Der wird immer von der Gruppe vergeben. Machen Ihre Mitarbeiter Platz, wenn Sie kommen, oder tun sie das nicht? Nehmen Sie als Chef am Kopfende Platz, oder sitzt da schon jemand? Es gibt übrigens auch an einem runden Tisch ein Kopfende. Da merkt man: Dort sitzt die Person, die etwas zu sagen hat. Die muss nicht laut sein und nicht dominant sein. Es werden Entscheidungen gefällt, wenn diese Person nickt. Man merkt sogar, wer sich zurückhält, obwohl er etwas zu sagen hätte – weil sich andere auf ihn beziehen. Die anderen fangen erst an zu reden, wenn diese Person nichts sagen möchte. Es gibt auch Menschen, die einen hohen Rang haben, obwohl sie den Titel gar nicht haben. Das sind die grauen Eminenzen. Das sind die, die das letzte Wort haben, egal, wer da vorne sitzt. Die können mit einer Geste das Ganze zum Kippen bringen.

Was tue ich, wenn die Gruppe da nicht mitspielt?

Komme ich in ein Unternehmen neu rein, in dem Machtspielchen an der Tagesordnung sind, besteht die Gefahr, dass mir die Gruppe schon in den ersten Tagen den Rang abläuft. Wenn ich merke, dass jemand auf dem Parkplatz steht, der mir zugewiesen ist, muss ich einschreiten. Ich muss zumindest deutlich machen, dass ich es nicht akzeptiere. Es kann souverän sein zu sagen: O.K., aber morgen ist der Parkplatz frei. Aber ich muss signalisieren, dass ich es gemerkt habe.

Was sollten Frauen tunlichst vermeiden?

Wenn Kaffee auf dem Tisch kippt, wer greift zum Tuch und wischt ihn weg? Es sind immer die Frauen. Der Mann macht es nicht – und eine Frau, die einen hohen Rang hat, macht es auch nicht. Putzen und Nahrung bringen sind Tätigkeiten, die signalisieren, dass jemand nichts zu sagen hat. Aber es gibt Nuancen, die einen großen Unterschied machen: Dann hängt es davon ab, ob ich eilfertig Kaffee nachschenke oder ich großzügig sage: Ich gebe Ihnen gerne noch eine Tasse Kaffee. Das Interessante ist: Wenn das ein Mann macht, steigt er meist im Rang – zumindest bei Frauen.

Aber was tun die, die solche Machtspielchen gar nicht mitspielen wollen?

In diesen Momenten spiegle ich immer das Dilemma wider: Ich kann doch nicht Respekt einfordern, wenn ich immer wieder signalisiere, dass man mich nach rechts und links schieben darf. Ich kann ja auch nicht auf einen Lehrstuhl pochen, ohne einen Doktor gemacht zu haben. Das ist gleichzusetzen mit einer beruflichen Qualifikation. Kommunikation und Ausstrahlung – da müsste es eigentlich ein Diplom drauf geben.

Das Gespräch führte Corinna Budras.