Schweizer Manager verdienen prächtig

Spitzenmanager werden in der Schweiz besser bezahlt als in Deutschland.

Dies zeigt eine Analyse der auf Vergütungsthemen spezialisierten Beratungsgesellschaft HKP.

… Demnach haben die Vorstandsvorsitzenden der im Schweizer Leitindex SMI gelisteten Unternehmen 2016 im Durchschnitt gut 7 Millionen Franken (6,5 Millionen Euro) verdient. Die Chefs der Unternehmen aus dem deutschen Aktienindex Dax kamen indes „nur“ auf eine durchschnittliche Vergütung von umgerechnet 6 Millionen Franken. Allerdings sind auch die Schweizer Topmanager arme Schlucker im Vergleich zu den CEOs in Amerika. Dort belief sich das Durchschnittssalär der Chefs der im Dow-Jones-Index geführten Konzerne nach den bisher verfügbaren Daten auf 20,5 Millionen Dollar. Dabei schoss Mark Parker, Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers Nike, mit einem Jahresgehalt von fast 46 Millionen Dollar den Vogel ab.

In den Zahlen sind auch variable Vergütungsanteile enthalten, die erst in drei bis vier Jahren beim Erreichen bestimmter Leistungsziele ausbezahlt werden. Diese machten in den SMI-Firmen 53 Prozent der Gesamtsaläre aus. Im Gespräch mit Journalisten in Zürich hob HKP-Partner Michael Kramarsch hervor, dass die Vergütungen der CEOs aus dem SMI im vergangenen Jahr um 14 Prozent gefallen seien und sich damit fast parallel zu den sinkenden Unternehmensgewinnen (minus 19 Prozent) entwickelt hätten.

Diesen Lackmustest für das Funktionieren von Vergütungssystemen haben die Unternehmen im breiter gefassten Index SMIM, in dem die 30 bedeutendsten mittelgroßen Unternehmen der Schweiz gelistet sind, indes nicht bestanden. Dort sind die Gesamtvergütungen der Unternehmenslenker im Durchschnitt um 11 Prozent auf 4,1 Millionen Franken gestiegen, obwohl die Gewinne um 8 Prozent gesunken sind. Offenbar gingen die Verwaltungsräte der Großkonzerne inzwischen vorsichtiger mit dem heiklen Vergütungsthema um, sagte der für die Schweiz zuständige HKP-Partner Martin Pfändler. Dazu habe auch die Minder-Initiative „gegen die Abzockerei“ beigetragen, auch wenn diese vorrangig auf die verstärkte Mitsprache der Aktionäre und nicht auf eine Senkung der Gehälter gezielt habe. Zugleich warnte Pfändler davor, die Verantwortung der Verwaltungs- und Aufsichtsräte für Vergütungsfragen auf die Hauptversammlungen zu verschieben. Aktionäre hätten oft ganz andere Ziele, als für nachhaltige und langfristig orientierte Vergütungsregeln zu sorgen.

Bestbezahlter Vorstandsvorsitzender der Schweiz ist Severin Schwan. Der Chef des Pharmakonzerns Roche strich für seine Arbeit im vergangenen Jahr 14,4 Millionen Franken ein. Die Plätze Nummer 2 und 3 belegen Sergio Ermotti (UBS) und Tidjane Thiam (Credit Suisse) mit 13,4 und 11,2 Millionen Franken. Thiams Entlohnung schlägt hohe Wellen, weil die Credit Suisse 2016 mit einem Milliardenverlust abgeschlossen hat. HKP-Partner Kramarsch kann die Kritik gut nachvollziehen. Auf den Banketagen in Europa sei inzwischen mehr Bescheidenheit eingezogen. „Nur in der Schweiz scheint man noch nicht so weit zu sein.“

rit.

 

Die Top-CEO-Vergütungen in der Schweiz
(in Schweizer Franken)

Unternehmen CEO und Direktvergütung

Roche Severin Schwan 14,43 Mio.

UBS Sergio P. Ermotti 13,40 Mio.

Credit Suisse Tidjane Thiam 11,21 Mio.

Novartis Joseph Jimenez 10,95 Mio.

Nestlé Paul Bulcke 9,56 Mio.

Richemont Bernard Fornas 9,22 Mio.

Richemont Richard Lepeu 9,14 Mio.

ABB Ulrich Spiesshofer 7,89 Mio.

Zurich Insurance Mario Greco¹ 7,30 Mio.

Lindt&Sprüngli Ernst Tanner² 7,28 Mio.

 

1) seit 7.3.2016, 2) seit 30.9.2016

Quelle: HKPP

 

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