Weltbank sorgt sich um China

Einbruch würde die ganze asiatische Region erschüttern

che. SINGAPUR, 11. April. Die Region Asien-Pazifik wird das schwächere Wachstum in China noch stärker zu spüren bekommen. Die Weltbank hat am Montag ihre Erwartungen für das Wachstum leicht zurückgenommen. Sie geht nun noch von einer Wachstumsrate von 6,3 Prozent in diesem Jahr und von 6,2 Prozent im nächsten Jahr aus. Das ist eine Kürzung um jeweils 0,1 Prozentpunkte. 2015 war der Wirtschaftsraum noch um 6,5 Prozent gewachsen. Die Bank warnte vor „erhöhten Risiken“.

Der Grund dafür liegt vor allem in Chinas Entwicklung, erklärten die Volkswirte in ihrem Ausblick. Ohne China gerechnet, würde das Wachstum im Raum Asien-Pazifik zulegen – von 4,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 4,9 Prozent im nächsten Jahr. Diese Rate werde getrieben von den Ländern Südostasiens, erklärte die Bank in Singapur.

Sie betonte, China besitze aus ihrer Sicht „starke politische Puffer“, um einer Krise entgehen zu können. Die Regierung besitze genug Spielraum, um – wenn nötig – das Wachstum auch weiter anzuheizen. Dennoch warnte sie: „Insbesondere die Verletzlichkeit durch das Zusammenspiel zwischen hoher Verschuldung, Deflation und einem schwächeren Wachstum in China verlangt nach genauer Beobachtung. So wie auch die Verwundbarkeit von Unternehmens- und Finanzsektor in weiten Teilen der Region.“ Sollte es zu einem starken wirtschaftlichen Einbruch kommen, würde der Rest Asiens sich nicht abkoppeln können. Ein Rückgang der Wachstumsrate Chinas um einen Prozentpunkt dürfte etwa Vietnam oder Malaysia jeweils 0,4 Prozentpunkte Wachstum kosten, die Mongolei würde sogar 0,8 Prozentpunkte einbüßen.

Unter normalen Bedingungen sollten in diesem und dem nächsten Jahr Vietnam, wo der neue Ministerpräsident das Ruder gerade übernommen hat, und die Philippinen am erfolgreichsten in Südostasien abschneiden – die Philippinen allerdings stehen mitten im Wahlkampf. Beide Länder sollten dieses Jahr um mehr als 6 Prozent wachsen. Die größte Volkswirtschaft der Region, Indonesien, werde in diesem Jahr auf 5,1 Prozent und im nächsten Jahr auf 5,3 Prozent kommen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft, die Militärdiktatur Thailand, kommt freilich nicht vom Fleck: Nach 2,8 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr, dürften es in diesem Jahr nur noch 2,5 Prozent werden. Mit Abstand am schnellsten werde die frühere Militärdiktatur Burma (Myanmar) zulegen, dies allerdings von sehr geringer Basis aus: Auf 7 Prozent im Jahr 2015 sollen nun 7,8 Prozent und im nächsten Jahr 8,4 Prozent folgen. Für China folgen die Weltbank-Ökonomen den Vorhersagen der dortigen Regierung: Nach einem Wachstum von 6,9 Prozent im vergangenen Jahr sollte die Rate nun auf 6,7 Prozent fallen, um dann 2017 auf 6,5 Prozent zu sinken.

 

 

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