Das verdienen Berufseinsteiger

Junge Akademiker sind gefragt.

In welchen Regionen sich zum Start besonders viel verdienen lässt und welche Fächer sich lohnen, zeigt der Gehaltsatlas von Gehalt.de und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Gehalt der Berufseinsteiger

von Sven Astheimer

Der deutsche Arbeitsmarkt saugt qualifizierte Arbeitskräfte derzeit auf wie ein Schwamm. Damit sind die Aussichten für Berufseinsteiger so gut wie lange nicht mehr. Das macht sich auch im Geldbeutel bemerkbar, denn die Einstiegsgehälter steigen. In einigen Regionen sind die durchschnittlichen Erstvergütungen für Akademiker in diesem Jahr um mehr als 1000 Euro gestiegen und liegen nun schon um die Marke von 50 000 Euro brutto im Jahr. Dies geht aus dem neuen „Gehaltsatlas Berufseinsteiger“ der Vergütungsberatung Gehalt.de und der F.A.Z. hervor.

„In diesem Jahr boomen vor allem die Gehälter in der Automobilbranche“, sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Gehalt.de. Die Krisenjahre sind vor allem für die deutschen Premiumhersteller vorbei, und die Umsätze steigen seit einigen Jahren kontinuierlich. „Fachkräfte werden händeringend gesucht und mit attraktiven Vergütungen gelockt“, hat Böger festgestellt. Mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von mehr als 54 500 Euro hat sich die Automobilindustrie an die Spitze der Top-10-Branchen gesetzt, vor Chemie und Banken. Im Vorjahr hatten noch die Berater die Liste angeführt, nun sind sie auf Platz zehn zurückgefallen. Kein Wunder, dass deutsche Autohersteller als Wunscharbeitgeber nicht nur im Inland ganz oben stehen. In der größten Absolventen-Umfrage Europas wurde Volkswagen nur vom Internetkonzern Google geschlagen, BMW schaffte es auf Rang vier (Beruf und Chance vom 27./28. Juni).

BMW dürfte neben anderen Konzernen wie Siemens und einem breiten Mittelstand auch dafür gesorgt haben, dass München in diesem Jahr mit fast 50 400 Euro im Durchschnitt die Region mit den höchsten Einstiegsgehältern geworden ist und damit den Großraum Stuttgart abgelöst hat. „In und um München herum lauern gute Stellenangebote“, sagt Tim Böger. Es lohnt sich also, über einen Umzug nachzudenken, auch wenn München als teures Pflaster bekannt ist. „Hessen, Baden-Württemberg und Bayern gehören in punkto Gehalt zu den attraktivsten Bundesländern in Deutschland“, sagt der Geschäftsführer von Gehalt.de. Im Norden und Osten wird deutlich weniger bezahlt.

Hessens Metropole Frankfurt hat sich im Vorjahresvergleich um vier Plätze auf Rang drei nach vorne geschoben. In der Bankenstadt sind vor allem Dienstleistungen gefragt. Kein Wunder, dass hier für Jungjuristen mit fast 62 000 Euro im Jahr die höchsten Einstiegsgehälter winken. Zwischen München und Frankfurt hat sich nur noch Leverkusen geschoben. Wie im Fall von Mannheim/Ludwigshafen auf Platz vier macht sich hier ein Sondereffekt bemerkbar: Die Konzerne Bayer beziehungsweise BASF treiben die Gehälter stark nach oben.

Doch nicht nur die Region übt einen erheblichen Einfluss aus auf die Verdienstaussichten. Auch zwischen den akademischen Fachrichtungen gibt es gewaltige Unterschiede. „Absolventen und Absolventinnen der MINT-Studienfächer haben die besten Aussichten auf attraktive Gehälter“, sagt Tim Böger. MINT steht für Studienfächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Auch Juristen bewegen sich mit ihren Durchschnittswerten nahe der Marke von 50 000 Euro. „Studierende der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften haben es dagegen schwerer, in hohe Vergütungsebenen zu gelangen“, sagt Böger. Betriebswirte können im Mittel mit rund 43 000 Euro zum Einstand rechnen, Geisteswissenschaftler sogar nur mit 33 000 Euro. Wobei die Summen in den jeweiligen Spitzenregionen um viele tausend Euro höher liegen. Dennoch: Nur durch eine frühe Profilierung und Weiterbildungen in und außerhalb von Unternehmen wie etwa den Masterabschluss könnten Akademiker dieser Disziplinen hohe Gehälter erreichen, lautet der Rat von Vergütungsfachmann Böger.

Einer aktuellen Untersuchung zufolge erachten übrigens Hochschulabsolventen und Verantwortliche im Personalmanagement unterschiedliche Kriterien als wichtig für den beruflichen Aufstieg. Wie eine Umfrage im Auftrag der Hay Group ergab, meinen die meisten Jungakademiker, dass es vor allem die technischen Fähigkeiten sind, die sie auf der Karriereleiter nach oben bringen werden. Die Personalprofis sehen dagegen in den sozialen Kompetenzen den Schlüssel zu mehr Verantwortung und Gehalt. Gleichzeitig klagen die Unternehmen jedoch über Schwierigkeiten, entsprechende „Bewerber mit ausgeprägten emotionalen und sozialen Kompetenzen“ zu finden.

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