Europas Spitzen-Verdiener

Schweizer und britische Manager haben höchste Bezüge

rit. ZÜRICH, 13. Juni. Wer als Manager in Europa richtig viel Geld verdienen will, sollte sich in der Schweiz oder in Großbritannien nach einem Führungsposten umsehen. Diesen Rückschluss lässt eine Analyse der auf Vergütungsfragen spezialisierten Beratungsgesellschaft HKP zu. HKP hat die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden der führenden börsennotierten Unternehmen in Europa im Jahr 2016 unter die Lupe genommen. Unter den zehn bestverdienenden Konzernchefs arbeiten jeweils vier für Unternehmen in der Schweiz und im Vereinigten Königreich. An der Spitze steht Severin Schwan: Der österreichische Vorstandsvorsitzende des Basler Pharmakonzerns Roche strich umgerechnet 13,2 Millionen Euro ein. Auf Platz zwei steht Sergio Ermotti, der für seine Arbeit bei der Zürcher Großbank UBS mit 12,3 Millionen Euro entlohnt wurde. Den dritten Rang belegt Bill McDermont von SAP mit einem Salär von 11,9 Millionen Euro.

Diese Gehälter liegen deutlich über den durchschnittlichen Bezügen der Anführer europäischer Unternehmen, die HKP auf 6 Millionen Euro (ohne Altersvorsorge und Nebenleistungen) beziffert. Das sind 3,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung, bewegten sich die Gehälter der Spitzenkräfte in Europa schon seit fünf Jahren nicht nach oben, sondern seitwärts, sagte der HKP-Partner Michael Kramarsch im Gespräch mit Journalisten in Zürich. Bis auf einzelne Ausnahmen habe sich das Leistungsprinzip in der Entlohnungsstruktur („Pay for performance“) nachhaltig etabliert. Auch stimme die Balance zwischen Festvergütung und variablen, auf den langfristigen Unternehmenserfolg ausgerichtete Gehaltsanteilen. Kramarsch führte dies auf die deutlich gestiegene Sensibilität der Aufsichts- und Verwaltungsräte bei Vergütungsthemen sowie auf den Druck von Investoren und Öffentlichkeit zurück.

Auch bei der Bezahlung ihrer Verwaltungsratspräsidenten sind Schweizer Unternehmen überaus spendabel, wobei Peter Brabeck-Letmathe (Nestlé) mit 5,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr den Vogel abschoss. Dass die meisten Chefaufseher in der Eidgenossenschaft weit mehr verdienen als die Kollegen im großen Rest von Europa, hängt freilich auch mit der Auslegung dieser Rolle als Vollzeitstelle und strategischer Taktgeber zusammen. Trotzdem erwartet Kramarsch, dass die Gehälter der Verwaltungsratspräsidenten in der Schweiz über kurz oder lang sinken werden.

„Die Schweiz ist Opfer ihres eigenen Erfolgs“, sagte der HKP-Berater. Unternehmen wie Roche, Novartis oder Nestlé seien ihrem Heimatmarkt derart entwachsen, dass sie sich zwingend im Ausland nach Spitzenkräften umsehen müssten. Mithin seien allein internationale Maßstäbe für die Entlohnungshöhe ausschlaggebend. Tatsächlich spielen Unternehmenslenker in Amerika in einer viel höheren Gehaltsklasse als in Europa. Die durchschnittliche CEO-Direktvergütung der Konzerne im Dow-Jones-Industrial-Index beträgt 16,8 Millionen Euro. Absoluter Spitzenverdiener in Übersee ist Mark Parker: Der Nike-Chef heimste zuletzt 42 Millionen Euro ein.

Top-10-Vergütungen von CEOs/Vorstandsvorsitzenden

 

Unternehmen               Land               Vergütung  in Mio. Euro

 

1 Roche                     CH   Severin Schwan     13,240

2 UBS                       CH   Sergio Ermotti     12,292

3 SAP                      D    Bill McDermott     11,890

4 Novartis                  CH   Joseph Jiminez     10,044

5 British American Tobacco  GB   Nicandro Durante    9,661

6 GlaxoSmithKline  GB   Andrew Witty        9,542

7 L’Oréal                         F   Jean-Paul Agon      9,130

8 BP                                 GB   Bob Dudley          8,931

9 Royal Dutch Shell  GB   Ben van Beurden     8,824

10 Nestlé                   CH   Paul Bulcke         8,767

 

Quelle HKP

 

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