Löhne in Europa steigen wieder schneller

Starke Zuwächse im Osten, leichte in Griechenland

Institut erwartet steigende Inflation

dc. BERLIN, 1. September. Die Lohnzuwächse für Arbeitnehmer haben sich im Jahr 2016 im Durchschnitt aller 28 EU-Staaten beschleunigt und werden in diesem Jahr weiter zulegen. Im vergangenen Jahr stiegen die Löhne je Arbeitnehmer im Durchschnitt um 1,7 Prozent nach 1,2 Prozent im Jahr 2015. Das zeigt eine Auswertung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Für das laufende Jahr rechnet das Institut auf Grundlage einer Prognose der EU-Kommission mit einem durchschnittlichen Anstieg um 2,2 Prozent. In Deutschland erwartet es ein Plus von 2,5 Prozent nach Zuwächsen von 2,3 und 2,4 Prozent in den Vorjahren.

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Überdurchschnittlich starke Steigerungen weist die Übersicht ein weiteres Mal für die östlichen EU-Staaten aus. Danach erhöhten sich die Löhne je Arbeitnehmer in Rumänien 2016 um durchschnittlich 10,3 Prozent und in den drei baltischen Staaten sowie Ungarn um mehr als 5 Prozent. Daneben weisen die Daten für Griechenland zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder eine im Durchschnitt positive Lohnentwicklung aus: plus 0,8 Prozent. Für 2017 stellt die Prognose sogar eine Steigerung um 1,5 Prozent in Aussicht.

Das WSI ist mit der Lohnentwicklung jedoch nicht zufrieden, auch wenn der nach seinen Maßstäben abgegrenzte volkswirtschaftliche Verteilungsspielraum im vergangenen Jahr mit den 1,7 Prozent im EU-Durchschnitt um 0,9 Prozentpunkte überschritten wurde. Maßstab für diesen Spielraum ist die Summe aus dem Anstieg der Arbeitsproduktivität und der Inflationsrate. Wird er überschritten, findet statistisch gesehen eine Umverteilung von Kapitaleignern zu Arbeitnehmern statt.

„Obwohl sich das wirtschaftliche Umfeld in Europa weiter verbessert hat, steigen die Löhne in Europa nur langsam“, teilte das WSI mit. Nach Abzug der Inflation stehe für 2016 nur ein Reallohnanstieg von 1,5 Prozent zu Buche. Zudem werde die anziehende Teuerung die Reallöhne weiter bremsen. Der verwendeten Prognose zufolge steigt die Inflation in diesem Jahr im EU-Durchschnitt auf 1,8 Prozent. Damit würde nebenbei wieder der Zielkorridor der Europäischen Zentralbank erreicht. Von der erwarteten Lohnsteigerung um 2,2 Prozent wären dann aber real nur noch 0,4 Prozentpunkte übrig.

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