Diesel-Skandal trifft Gehälter in Autoindustrie bislang nicht

Die Gehälter in der deutschen Automobilindustrie sind im vergangenen Jahr leicht überdurchschnittlich gestiegen.

Insgesamt legten die Gehälter der Mitarbeiter der Autohersteller und der Zulieferindustrie um 2,8 Prozent zu. Das waren 0,3 Prozentpunkte mehr Anstieg als im Durchschnitt aller Branchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gehaltsstudie der Personalberatung Korn Ferry, für die Gehaltsdaten von mehr als 21 000 Fach- und Führungskräften aus der Automobilindustrie ausgewertet wurden.

Auch in diesem Jahr wird es laut Prognose der Personalberater genauso weitergehen, sie rechnen wieder mit einem Anstieg um 2,8 Prozent in der Autobranche. „Trotz Diesel-Skandals und der Notwendigkeit, die deutsche Automobilindustrie in der Zukunft grundlegend zu verändern, schlägt sich diese Entwicklung nicht negativ aufs Gehalt nieder“, sagt Studienautor Thomas Gruhle. Ganz im Gegenteil: Die großen Automobilhersteller müssten zunehmend mit Tech- und IT-Unternehmen um die gleichen Bewerber buhlen. „Das treibt die Gehaltsspirale insgesamt nach oben“, erklärt er.

Wer in der deutschen Automobilindustrie arbeitet, verdiene auf einem sehr hohen Niveau, sagt Studienautor Gruhle. Der Diesel-Skandal mag individuell Karrieren ins Wanken gebracht haben, insgesamt verändere sich das Gehaltsgefüge in der Automobilindustrie deswegen nicht. Zwar verdienen Akademiker im Bankwesen, bei den Energieversorgern und in der Ölindustrie noch immer mehr als in der Automobilindustrie, der Abstand werde aber kleiner. Nur in der Pharma- und Chemiebranche zahlt die Industrie höhere Gehälter, die gleichzeitig auch noch etwas schneller zulegen.

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Abteilungsleiter und erfahrene Spezialisten verdienen in der Autoindustrie einschließlich Boni im Durchschnitt rund 118 000 Euro. Die Gehaltsunterschiede im mittleren Management sind dabei gering: Hat ein Mitarbeiter die Karrierestufe eines Abteilungsleiters erklommen, verdient er sehr ähnlich wie gleichrangige Kollegen – egal in welcher Abteilung er arbeitet – die Gehaltsunterschiede im mittleren Management betragen laut Studie höchstens 10 Prozent. Die bestbezahlten Abteilungsleiter mit rund 126 900 Euro kommen aus dem Marketing, am wenigsten verdienen mit 114 400 Euro die mittleren Manager im Bereich Logistik und Lieferketten. Dazwischen liegen Abteilungsleiter in der Produktion (119 900 Euro) sowie Technik und IT (119 800 Euro). Größere Gehaltsunterschiede zwischen verschiedenen Abteilungen fanden die Studienautoren in der Hierarchieebene darunter. Dort könnten die Gehaltsunterschiede bis zu 20 Prozent betragen. Die bestbezahlten jungen Akademiker arbeiten im Projektmanagement (im Schnitt 67 500 Euro), Schlusslicht sind die Mitarbeiter der Personalabteilung mit 56 700 Euro Jahresbruttogehalt. In großen Konzernen liegen die Gehälter – wie in allen anderen Branchen auch – höher als in mittelständischen Betrieben.

Insgesamt verdienen Berufseinsteiger in der deutschen Automobilindustrie verglichen mit anderen Branchen sehr gut. Wenn sie dann aufsteigen, seien ihre Gehaltssteigerungen aber etwas geringer als in anderen Branchen, sagt Studienautor Thomas Gruhle. Früher sei die Automobilindustrie für junge Akademiker noch attraktiver gewesen, sagt der Vergütungsexperte. Das zeige ein längerfristiger Vergleich der Reallohnentwicklung seit der Finanzkrise 2008. Insgesamt hätten junge Fachkräfte seither in der Automobilindustrie leichte Reallohneinbußen von insgesamt minus 1,9 Prozent hinnehmen müssen, weil die Inflation über mehrere Jahre die geringen Lohnerhöhungen aufgefressen habe. Im Durchschnitt aller Industrien seien die Gehälter der Fach- und Führungskräfte im selben Zeitraum dagegen real um 4,7 Prozent gestiegen.

tine.

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