Weniger Boni für Europas Spitzenmanager

Die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der 100 führenden börsennotierten Unternehmen Europas sind im vergangenen Jahr insgesamt gesunken.

… Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Unternehmensberatung Willis Towers Watson, die sich auf Vergütungsfragen spezialisiert hat. Danach sank der Mittelwert (Median) von 5,8 auf 5,4 Millionen Euro. Während die Festvergütung stabil blieb, sind die gewährten Boni zurückgegangen.

Spitzenverdiener ist Rakesh Kapoor, der Chef des britischen Konsumgüterherstellers Reckitt Benckiser mit einer Gesamtdirektvergütung von 14,4 Millionen Euro. Sein Gehalt ist im Vergleich zum Vorjahr aber um rund ein Drittel geschrumpft, weil ihm der Bonus gestrichen wurde. Im vergangenen Jahr hatten Aktionäre auf der Hauptversammlung Kritik an Kapoors Vergütung geäußert, knapp 18 Prozent des anwesenden Kapitals hatten gegen sein Vergütungspaket gestimmt. Auf Platz 2 folgt Martin Sorrell vom britischen Werbekonzern WPP mit einem Gehalt von 13,3 Millionen Euro laut der Studienmethodik von Willis Towers Watson. Nicht einberechnet sind dabei Auszahlungen aus einem fünf Jahre zuvor gewährten Langfristprogramm in Höhe von rund 41,6 Millionen Pfund. Auch bei ihm hatte es Proteste gegeben. Auf der Hauptversammlung im Vorjahr hatten sogar 33 Prozent der Aktionäre gegen das Vergütungspaket gestimmt. Der bestbezahlte Vorstandsvorsitzende eines deutschen Unternehmens ist SAP-Chef Bill McDermott. Er kam im Europa-Ranking mit rund 12 Millionen Euro auf Platz vier. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der im Vorjahr noch auf diesen Platz kam, schaffte es 2016 nicht mehr unter die ersten zehn.

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Die höchsten Gehälter werden laut der Studie europaweit in der Schweiz bezahlt (Median: 10,3 Millionen Euro), gefolgt von Großbritannien (7,4), Spanien (5,6) und Deutschland (5,1). In der Schweiz spielt das Grundgehalt die geringste Rolle, der Großteil der Vergütung entfällt dort auf die variablen Anteile – ähnlich wie in Großbritannien. In Skandinavien dagegen spielen Boni kaum eine Rolle. In den nordeuropäischen Ländern wird viel stärkeres Gewicht auf die Festvergütung gelegt. Insgesamt sind die Aufsichtsräte auf Druck der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren sensibler geworden. Auch in Deutschland äußern Aktionäre häufiger ihren Unmut über zu üppige oder undurchsichtige Managergehälter auf Hauptversammlungen. In diesem Jahr stimmten sie beim Medienkonzern Pro Sieben Sat1, beim Rückversicherer Münchener Rück und beim Pharmakonzern Merck mehrheitlich gegen die Vergütungspakete für das Spitzenmanagement. Rechtlich sind die Abstimmungen für den Aufsichtsrat zwar nicht verbindlich, sie zeigen aber meist Wirkung.

tine.

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