Lizenz zum Aufstieg

Neben dem Beruf zum MBA: Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Lohnt es sich für angehende Manager?

Von Uwe Marx

Wer Julia Finkeissen als Maßstab nimmt, hat keine Ausreden mehr. Denn wenn eine Mutter von sieben Kindern eine berufsbegleitende Zusatzausbildung nicht zu anstrengend und zeitraubend findet, wer dann? Mit familiärer Hilfe sei das schon zu schaffen gewesen, sagt die 37 Jahre alte Volkswirtin, deren Kinder zwischen zwei und fünfzehn Jahre alt sind. Das wisse sie seit ihrem Studium in Heidelberg, da habe es auch funktioniert. „Homeoffice gab es bei mir schon, als man in Deutschland noch sehr wenig an so etwas dachte“, sagt sie.

Das Ziel, das sie gerade erreicht hat? Der sogenannte Executive MBA, ein Klassiker für Management-Kandidaten mit Berufserfahrung, der für viele die Grundlage für den Aufstieg in Spitzenpositionen ist. Deshalb hat sie am Münchner Campus der spanischen IESE Business School das Programm „Global Executive MBA“ absolviert, teils im Eigenstudium, teils in mehrwöchigen Präsenzmodulen.

So untypisch ihr familiärer und unternehmerischer Hintergrund als Immobilienentwicklerin und Gründerin eines Start-ups im Gesundheitswesen ist, so klassisch ist diese MBA-Aspirantin auf anderem Gebiet. Das verdeutlicht ein Gespräch mit einem der vielen Anbieter, der Frankfurt „School of Finance & Management“. Deren Programmdirektor für den Executive MBA, Markus Mädler, sagt, dass der durchschnittliche Teilnehmer Mitte dreißig sei und etwas mehr als zehn Jahre Berufserfahrung mitbringe. Um diese Klientel ringen allein im deutschsprachigen Raum Hunderte Anbieter: staatliche Universitäten, private Business Schools und jede Menge weitere Hochschulen unterschiedlicher Qualität. Darüber hinaus öffnet sich das Angebot noch weiter. Der Markt ist unübersichtlich, ebenso wie die Organisation: ob Vollzeit-, Teilzeit-, Präsenz- oder Onlinestudium – viele Wege führen berufsbegleitend zum MBA.

„Beim Executive MBA ist der Markt in Deutschland noch in der Entwicklung“, sagt Mädler. Er wachse, aber: „Er ist kein Massengeschäft.“ Viele der Teilnehmer – in Frankfurt sind es aktuell knapp fünfzig im Jahr – seien in Führungspositionen hineingewachsen und wollten Managementkenntnisse nachholen. Dieses Modell gibt es in den Vereinigten Staaten schon seit Jahrzehnten und kam mit Verzögerung erst in Europa und dann in Deutschland an. „Die Grundfrage, vor der alle Teilnehmer stehen, lautet: Warum soll ich in einem gewissen Alter noch mal so stark in Weiterbildung investieren?“, sagt Mädler. Denn die Kosten bewegen sich zwischen mehreren tausend und einigen zehntausend Euro. In Frankfurt etwa sind es für 17 Monate 41 500 Euro, hinzu kommen Kosten für Reisen und Übernachtungen vor Ort in den Präsenzphasen. Die Investitionen seien aber in ein bis zwei Jahren durch die danach höheren Einkommen wieder eingespielt.

Verantwortung ist vielen wichtiger als Geld

Die Ziele dieser Zusatzausbildung sind so vielfältig wie die Wege dorthin. Aber in der Regel sind es Führungspositionen. Jens Witter ist dafür ein Beispiel. Er ist MBA-Absolvent in Frankfurt und hat mithilfe der Zusatzqualifikation nicht nur die Stelle, sondern auch den Kontinent gewechselt, wie er berichtet. Witter war in der Schwarz-Gruppe in Neckarsulm, die hinter den Einzelhandelsriesen Lidl und Kaufland steckt, im internationalen Finanzbereich tätig. Es sei um die „Optimierung von Zahlungsmittelprozessen“ gegangen, also um Kartenzahlung, Bargeldlogistik, neue Bezahlverfahren und so weiter. Inzwischen ist Witter am amerikanischen Lidl-Sitz in Arlington im Bundesstaat Virginia Leiter des kompletten Finanzbereichs. Dafür sei „der MBA entscheidend“ gewesen, sagt er.

Das Programm sei zwar „immer fordernd“ gewesen, wie er sagt. „Bei mir war es am Anfang des Studiums und während der Abschlussarbeit sehr intensiv.“ Dass es sich trotzdem gelohnt habe, hänge noch nicht mal mit dem höheren Einkommen zusammen: „Ich wollte mehr Verantwortung, die finanziellen Vorteile waren nachrangig.“ Das deckt sich mit den Beobachtungen des Frankfurter MBA-Programmdirektors Markus Mädler: „Das Ziel ist meistens eine Top-Managementposition, das höhere Gehalt eher ein erfreulicher Nebenaspekt.“

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