Systematisch digitalisiert

Ein Beauftragter muss gut vernetzt sein

DÜSSELDORF, 27. Dezember. Die Digitalisierung beschäftigt Märkte und Unternehmen: Obschon der Trend bereits seit geraumer Zeit das Wirtschaftsleben bestimmt, gehen die meisten Unternehmen die damit verbundenen Herausforderungen bisher eher unkoordiniert an: Digitalisierungsstrategien werden häufig noch nicht zentral gesteuert, geschweige denn die damit jeweils verbundenen wirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen unternehmensübergreifend in sinnvollen Prozessen abgebildet. Oft wissen nicht einmal alle mit Digitalisierungsfragen befassten Unternehmensbereiche voneinander. Dadurch werden Chancen vergeben und auch rechtliche Risiken begründet.

Systematische Digitalisierung in Unternehmen

Sünden gibt es viele: Die Unternehmen verpassen den Schutz digitaler Neuentwicklungen, öffnen Flanken für Cyber-Angriffe und Daten-Lecks. Sie schludern beim digitalen Vertragsmanagement, versäumen die Beweissicherung in digitalen Prozessen, riskieren einen rechtsunsicheren Umgang mit Daten, sie übersehen einschlägige Sanktionen und Exportkontrollvorgaben, setzen sich kartellrechtlichen Beanstandungen aus und begründen dadurch Haftungsrisiken – die Liste lässt sich fortsetzen. Eine entscheidende Herausforderung und zugleich Chance bei der Unternehmensdigitalisierung besteht also darin, sich nicht allein mit einer Strategie zu befassen, sondern zugleich funktionierende Prozesse zu implementieren und geeignete Beauftragte einzusetzen.

Die Herausforderungen sind komplex – vielleicht hilft zwischen den Feiertagen noch einmal ein Blick auf den Weihnachtsbaum: Ähnlich wie dessen engmaschiges Lichternetz, setzt ein gut funktionierender Digitalisierungsprozess zunächst eine enge Vernetzung der Entscheidungsträger aller in die Digitalisierungsstrategie eingebundenen Unternehmensbereiche voraus. Der Grad der Vernetzung und „Erleuchtung“ korrelieren jeweils. Als zentrale Schaltstelle sollte ein Digitalisierungsbeauftragter mit direkten Berichtslinien zu der Unternehmensführung und dem Datenschutzbeauftragten eingesetzt werden.

Die Wahl geeigneter Kandidaten dürfte je nach Unternehmen variieren und mag, anders als bei Datenschutz und Compliance, nicht vorrangig auf Juristen, sondern ebenso auf IT-Experten, Produktingenieure oder sonst mit der Digitalisierungsstrategie besonders vertraute Personen fallen.

Klar ist, dass die Digitalisierung zentrale Verantwortlichkeiten all dieser Berufsbilder berührt und ein guter Beauftragter folglich nicht ohne fachübergreifendes Wissen und enge Vernetzung mit den übrigen Funktionsträgern auskommen kann. Dies gilt umso mehr, als die Unternehmensdigitalisierung zahlreiche technische, wirtschaftliche und rechtliche Themen berührt.

Um auf alle damit verbundenen Fragen bestmöglich vorbereitet zu sein, sollte der Beauftragte jedoch nicht allein auf Fachwissen vertrauen müssen, sondern zugleich auf einen an die Bedürfnisse seines Unternehmens angepassten Prozess zurückgreifen können. Ein guter Digitalisierungsprozess deckt im Idealfall alle mit der jeweiligen Strategie des Unternehmens verbundenen Fragen ab, bietet dazu ebenso wirtschaftlich gewinnbringende wie rechtlich vertretbare Antworten an, schützt das Unternehmen so vor den bereits genannten rechtlichen Risiken und verbessert zugleich die Qualität der digitalen Arbeitsprodukte.

Um bei dem bereits bemühten Bild des Weihnachtsbaums zu bleiben: Ähnlich wie dessen Lichternetz bei modernen Bäumen auch trotz Fehlern an einen einzelnen Schnittstellen im Übrigen weiter funktioniert, gewährleistet ein brauchbarer Digitalisierungsprozess den Fortgang des Unternehmens auch bei Ausfällen einzelner oder ganzer Bereiche. Das verhindert, dass – wie noch zu Zeiten in Reihe geschalteter Lichterketten – durch Einzelfehler im bildlichen Sinne gleich an allen Zweigen das Licht ausgeht.

GUNNAR SACHS.
Der Autor ist Anwalt bei Clifford Chance Deutschland.

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