Die Algorithmen verbessern die Prognosen

Die Routinen übernimmt der Rechner, und Outsourcing kann rückgängig gemacht werden

Die kaufmännische Verwaltung von Unternehmen ist im Umbruch. Organisatorisch wie inhaltlich. Organisatorisch werden die Hierarchie und das Denken in Abteilungen zunehmend aufgebrochen. Inhaltlich sind Instrumente wie Planung und Bilanz mit ihren teilweise recht alten Daten obsolet. In Zukunft werden Entscheidungen anhand von zeitnahen Daten getroffen, das heißt Planungen und Bilanzen permanent erstellt. „Um künftig aber die Vorstände permanent mit Echtzeitdaten versorgen zu können, müssen viele in der Vergangenheit outgesourcte Bereiche wieder ins Unternehmen zurückgeholt werden“, ist Marc Ennemann, Koordinator für digitale Transformation bei der Beratungsgesellschaft KPMG, überzeugt. Mit der Arbeit kommen aber nicht die Arbeitsplätze zurück, denn die Arbeit wird künftig maschinell erledigt. Dabei können die Computer heute schon mehr als nur Routinearbeiten erledigen. Das IBM Computersystem Watson versteht die menschliche Sprache, lernt durch Interaktion, analysiert die Daten und liefert Antworten für bessere Ergebnisse. Das System ist schon heute in der Lage, komplizierte Leasingverträge auszulesen und die richtige Verbuchung vorzuschlagen. Das bringt nicht nur bessere Analysen, sondern spart auch viel Geld. Über das Outsourcen von Tätigkeiten in sogenannte Shared Service Center habe man die Kosten um 40 Prozent gesenkt. Durch den Einsatz von Robotics könne man die Kosten um bis zu 80 Prozent senken, weil man heute nahe an die Vollautomatisierung der Vorgänge herankomme, ist Ennemann überzeugt. Die Investition in Roboter, Rechner und Programme zahle sich schon binnen weniger Monate aus.

Die Technik macht aber auch künftig nicht alles. Auch künftig muss geplant werden. Aber mit der Technik wird die Planung besser. Früher habe man bei der Frage, wo man investiere, einmal die Patentdatenbanken durchgestöbert, ob auf diesem Gebiet schon jemand tätig war. Das war ein einmaliger Vorgang, mit dessen Ergebnis man dann jahrelang operiert hat. Heute durchsucht man die Datenbanken permanent und kann seine Planung entsprechend anpassen, zum Beispiel mit dem zwischenzeitlichen Patentanmelder kooperieren oder aussteigen. Echtzeit-Planung senkt das Planungsrisiko erheblich, sagt Ennemann. Diese neue Effizienz geht aber noch in keine Kennzahl ein. Daher will sich die Plattform „Industrie 4.0“ stärker der Suche nach neuen Kennzahlen widmen, der sogenannten Indikatorik.

 

Von Georg Giersberg

 

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