Warum nur eine Frauenquote

Nun wird auch noch eine Frauenquote für Vorstände gefordert.

Von Florian Schilling

… Damit tritt genau das ein, was Skeptiker schon bei der Diskussion um die Frauenquote für Aufsichtsräte befürchteten: Wenn man einmal damit anfängt, Positionen nach gesellschaftlichem Proporz anstatt nach Qualifikation zu besetzen, werden sich immer Rechtfertigungen finden lassen, dieses Prinzip weiter auszudehnen. Würde eine gesetzliche Frauenquote für Vorstände Wirklichkeit, dann gäbe es keinen vernünftigen Grund, eine solche Quote nicht auch auf die zweite und dritte Führungsebene auszudehnen, wenn Frauen dort unterrepräsentiert sind.

Auch die bisherige Beschränkung auf Großunternehmen ließe sich argumentativ nicht aufrechterhalten; wenn eine Quote notwendig und richtig ist, warum sollen dann kleinere Unternehmen nicht in ihren Genuss kommen?

Und wenn man schon einmal dabei ist, warum sollte man bei der Frauenquote halt machen? Geschlecht ist schließlich nicht das einzige Merkmal, das eine Führungskraft definiert, Alter, Konfession und sexuelle Orientierung dürften nicht weniger wichtig sein und müssten demnach in entsprechenden Quoten berücksichtigt werden.

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Auch eine Migrantenquote wurde schon gefordert, angesichts eines steigenden Migrantenanteils in Deutschland ist nach dieser Logik nicht einzusehen, warum diese Gruppe in Führungspositionen nicht angemessen repräsentiert sein soll.

Vieles davon mag heute noch absurd klingen, ließe sich aber argumentativ kaum widerlegen, wenn man einmal damit anfängt, Positionen nach Proporz und nicht nach Qualifikation zu besetzen.

Da stellt sich die Frage, warum das nur für Unternehmen gelten soll.

Kaum ein Team dürfte bekannter und für das Selbstverständnis großer Teile unserer Bevölkerung wichtiger sein als die Fußballnationalmannschaft. Heute hat der Bundestrainer freie Hand, die Spieler nach Qualifikation auszuwählen. Wenn aber schon Führungsteams in Unternehmen den Bevölkerungsquerschnitt widerspiegeln sollen, wie viel mehr müsste das für die Nationalmannschaft als nationales Symbol gelten?

Was spricht nach dieser Logik dagegen, den Bundestrainer zu verpflichten, auch in der Fußballnationalmannschaft bestimmte Bevölkerungsgruppen mit einer Mindestquote zu berücksichtigen?

Hiergegen lässt sich eigentlich nur ein Argument anführen: dass sich die Nationalmannschaft gegen die besten Teams durchsetzen muss, wenn sie ihren Weltmeistertitel verteidigen will. Nur deshalb ist zu rechtfertigen, dass der Bundestrainer freie Hand bei der Auswahl der besten Mitspieler hat, ohne dabei auf Meinungsumfragen oder Bevölkerungsproporz Rücksicht nehmen zu müssen.

Nichts anderes gilt aber für die Unternehmen der Exportnation Deutschland, die sich in einem immer globaleren Wettbewerb durchsetzen müssen, dessen Intensität dem Wettkampf im Fußball um nichts nachsteht.

Wer will, dass deutsche Unternehmen auch weiterhin erfolgreich in der internationalen Champions League spielen und dadurch hierzulande Arbeitsplätze und Wohlstand sichern, sollte ihnen die Freiheit lassen, die besten Führungskräfte auch zukünftig frei von gesetzlichen Vorgaben auswählen zu können.

Florian Schilling ist Partner von Board Consultants International. Er berät Aufsichtsräte und Vorstände bei der Verbesserung ihrer Arbeit.

 

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