Australien verschärft Visavergabe

Arbeitserlaubnis für Piloten und Ziegenzüchter gestrichen

che. PORT MORESBY, 18. April. Auch das Einwanderungsland Australien verschärft seine Visaregeln: Ministerpräsident Malcolm Turnbull erklärte am Dienstag, dass das bisherige Arbeitsvisum für Ausländer (457) abgeschafft werde. „Das Einwanderungsprogramm sollte nur unserem nationalen Interesse dienen. Hier geht es nur um Australiens Interessen“, sagte Turnbull. Die eingeschränktere Visapolitik werde „klar ersichtlich, rigoros und resolut umgesetzt“ werden. Der Ministerpräsident steht unter wachsendem Druck national ausgerichteter Politiker. Die rechte Partei One Nation reklamierte denn auch umgehend nach der Erklärung des mit einer hauchdünnen Mehrheit regierenden Ministerpräsidenten einen politischen Sieg.
Das bisherige Visum 457 wird durch zwei verschiedene Visa ersetzt werden: eines, das nur noch zwei Jahre gilt, und eines für höher qualifizierte Bewerber, das vier Jahre Gültigkeit besitzt. Zugleich wird die Liste der derzeit 650 berechtigten Berufe für das Visum gekürzt werden. Gestrichen werden soll die Arbeitserlaubnis etwa für ausländische Moderatoren, Ziegenzüchter und politische Analysten, aber auch Piloten, Biochemiker oder Stewardessen. „Wir wollen, dass ausländische Arbeitnehmer nach Australien geholt werden, weil sie dank ihrer Fähigkeiten kritische Leerstellen füllen, und nicht hergeholt werden, einfach weil ein Arbeitgeber es leichter findet, einen ausländischen Arbeiter zu holen, als den Aufwand mitzumachen, einen Australier anzustellen“, sagt Turnbull. Antragsteller müssen bessere Englischkenntnisse nachweisen und einer polizeilichen Überprüfung standhalten.
Das bisherige Visum ist auf vier Jahre angelegt, gilt vielen aber als Eintrittskarte für einen Daueraufenthalt. Eingeführt 1996 mit rund 20 000 ausgeteilten Visa, hatte deren Zahl im Jahr 2013 mehr als 120 000 erreicht. Fast ein Viertel der Visa erhielten Inder, gefolgt von Briten (19,8 Prozent) und Chinesen (5,8).

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