Die Wahrheit über die arbeitslosen Amerikaner

Erster Arbeitsmarktbericht unter Trump zeigt Anstieg.

wvp. WASHINGTON, 3. Februar. Der erste Arbeitsmarktbericht unter dem neuen Präsidenten Donald Trump hat einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent im Dezember auf 4,8 Prozent im Januar gemeldet. Die Statistiker verzeichneten knapp 230 000 zusätzliche Stellen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen wird vom staatlichen Büro für Arbeitsmarktstatistik mit 7,6 Millionen Personen angegeben. Die Arbeitsmarktdaten bergen Brisanz, weil sie Präsident Donald Trump im Wahlkampf und nach der Wahl als nicht glaubwürdig bezeichnet hatte. Noch im Januar hatte er gesagt: „Jetzt gibt es 96 Millionen Menschen, die einen Job suchen und keinen bekommen.“ Das sei die wahre Zahl. Auch der von Donald Trump für das Finanzministerium vorgesehene Investmentbanker Steven Mnuchin sagte bei einer Senatsanhörung: „Die (offizielle) Arbeitslosenquote ist nicht real. Ich bin letztes Jahr durchs Land gereist. Ich habe es gesehen.“ Vor diesem Hintergrund werden nun Spekulationen laut, die neue Regierung könnte die Ermittlung und Darstellung der Arbeitslosigkeit und Beschäftigung in den Vereinigten Staaten verändern wollen. Der letzte Präsident, der versucht hatte, Einfluss auf die Arbeitsmarktstatistik zu nehmen, war Präsident Richard Nixon im Jahr 1972.
Trumps Angabe von 96 Millionen Amerikanern, die eine Beschäftigung suchten, ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Laut der offiziellen Arbeitsmarktstatistik gibt es 96 Millionen Amerikaner über 16 Jahre, die tatsächlich nicht in Beschäftigungsverhältnissen stecken. Die meisten von ihnen sind allerdings Rentner, Studenten oder Schüler. Dazu kommen viele Personen, die zu Hause bleiben, um auf ihre Kinder aufzupassen oder ihre Eltern zu pflegen. Die offizielle Arbeitslosenquote gibt ein unvollständiges Bild über die Beschäftigungssituation, weshalb sie vom Büro für Arbeitsmarktstatistik um weitere Angaben ergänzt wird: So gesellen sich zu den 7,6 Millionen Arbeitslosen noch 5,8 Millionen Personen, die nur Teilzeitjobs haben, obwohl sie doch Vollzeitstellen anstreben. Weitere 1,8 Millionen waren im vergangenen Monat nicht auf Arbeitssuche, weshalb sie aus der Statistik fielen. Knapp 600 000 davon gelten als entmutigt. Sie haben die Bewerbungen aufgegeben, weil sie damit erfolglos waren.

Alle Rechte vorbehalten © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte für F.A.Z.-Inhalte erwerben Sie auf www.faz-rechte.de