Verantwortung zahlt sich aus

Zukunft der Autoindustrie: Verantwortung zahlt sich aus

Von Sven Astheimer

Mögen die Herausforderungen durch neue Wettbewerber wie Tesla und aggressive Debatten über das baldige Ende des Verbrennungsmotors auch dringliche Fragen über die Zukunft der deutschen Autoindustrie aufwerfen – gebastelt, geforscht und entwickelt wird am Fahrzeug von morgen und übermorgen in Deutschland nach wie vor. Und die dafür nötigen Technikspezialisten scheinen sogar begehrter denn je.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist derzeit zwar nicht die Rede von einem allgemeinen Ingenieurmangel, aber sehr wohl von einem Expertenmangel in einzelnen Qualifikationen. Neben der Automatisierungs- und der Metallbautechnik gehört dazu auch die Fahrzeugtechnik. Hier dauert es im Durchschnitt 135 Tage, bis eine offene Stelle besetzt ist. Gleichzeitig kommen auf eine gemeldete offene Stelle für einen Ingenieur rechnerisch weniger als zwei Kandidaten.

„Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt für Ingenieure der Maschinen- und Fahrzeugtechnik nach wie vor sehr positiv“, heißt es aus der Arbeitsvermittlung. Die Zahl der Beschäftigten in der Fahrzeugtechnik ist im Jahr 2016 weiter leicht gewachsen, während sich die Arbeitslosigkeit mit weniger als 2 Prozent auf Vollbeschäftigungsniveau bewegte und seit 2013 erstmals wieder rückläufig ist. Insgesamt meldeten sich zuletzt gerade mal 4200 Ingenieure aus diesen Fachrichtungen arbeitslos, das war ein Rückgang um 2 Prozent.

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Die Zahl der gemeldeten Stellen nahm wiederum leicht zu auf 7800 im Jahresdurchschnitt. Die Arbeitsvermittler merken allerdings an, dass dieser Wert von den Höchstständen der Jahre 2011 und 2012 sowie vor der Finanzkrise noch deutlich entfernt ist. Das könnte jedoch auch daran liegen, dass die Arbeitgeber die Stellen gar nicht mehr der Arbeitsagentur melden, weil sie sich davon keinen Erfolg versprechen und stattdessen andere Suchwege wählen wie die Direktsuche durch Personalvermittler zum Beispiel oder die Akquise auf Jobportalen im Internet.

In der Fahrzeugtechnik gab es, wie in den Vorjahren, vor allem im Süden und Westen Deutschlands Schwierigkeiten, offene Stellen in angemessener Zeit zu besetzen. Rund 238 000 Maschinen- und Fahrzeugtechnik-Experten, deren Anforderungsprofil einer mindestens vierjährigen Hochschulausbildung oder vergleichbaren Kompetenzen entspricht, waren zuletzt in Deutschland als Angestellte, Selbständige oder Beamte tätig. Während der Beschäftigungsaufbau im Maschinenbau allerdings zuletzt stagnierte, legte die Zahl im Teilbereich der Fahrzeugtechnik um 3 Prozent zu. Hier waren 2016 rund 44 000 Technikspezialisten beschäftigt, davon wiederum mit 26 000 mehr als die Hälfte in der Kraftfahrzeugtechnik. Es folgen die Luft- und Raumfahrttechnik mit knapp 10 000 Ingenieuren und rund 7000 Ingenieure, die in der Fahrzeugtechnik mit Leitungsfunktionen betraut sind.

Dass sich Verantwortung für Ingenieure sprichwörtlich lohnt, zeigt ein Blick auf die Gehälter. Wie aktuellen Daten der Vergütungsberatung Compensation Partner aus Hamburg zeigen, verdient ein Ingenieur in der Autoindustrie im Durchschnitt knapp 71 500 Euro im Jahr. Übernimmt er dazu eine Leitungsfunktion und damit die Verantwortung für Mitarbeiter, schraubt er seine Vergütung auf gut 134 000 Euro per annum hoch. Auch die Berufserfahrung macht sich im Laufe der Karriere bezahlt. Während ein Einsteiger in den ersten drei Jahren rund 55 000 Euro im Jahr erhält, geht ein angestellter Ingenieur mit mindestens neun Jahren Unternehmenszugehörigkeit mit fast 90 000 Euro im Jahr nach Hause.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Größe des Arbeitgebers. Wer für ein kleines Unternehmen mit maximal 100 Mitarbeitern tätig ist, kommt im Mittel auf rund 58 000 Euro im Jahr. Ein Ingenieur, der die selbe Tätigkeit ausübt, kann in einem Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten dagegen fast 79 000 Euro und damit 20 000 Euro mehr bekommen als sein Kollege.
Letztlich haben auch die unterschiedlichen Qualifikationen und Aufgaben von Ingenieuren in der Autoindustrie einen erheblichen Einfluss. So kommen die Verantwortlichen für die IT-Projektleitung schon an die Marke von 100 000 Euro heran, gefolgt von Account-Managern (88 000) und Produktionsplanern (78 000). Am anderen Ende der häufigsten Ingenieurberufe in der Automobilindustrie stehen die Elektrotechniker (67 000), die Konstrukteure (66 000) und die Test- und Versuchsingenieure (64 000).

Für die Zukunft rechnen die Spezialisten von der Arbeitsagentur mit einer gewissen Entspannung am Arbeitsmarkt für Autoingenieure. Der Grund dafür liegt in den steigenden Absolventenzahlen der Universitäten. Im Prüfungsjahr 2015 beendeten rund 38 000 Absolventen erfolgreich ihr Studium in Maschinenbauwesen/Verfahrenstechnik, heißt es im Bericht. Das seien 8 Prozent mehr als im Vorjahr gewesen. Nahezu 60 Prozent schlossen mit einer Bachelorprüfung ab. Der Anteil der Masterabschlüsse habe sich auf mehr als ein Viertel erhöht.

Ein Ende der Entwicklung sei nicht in Sicht. Mit rund 61 000 Neueinschreibungen in diesen Fachrichtungen bewege sich die Zahl weiterhin auf hohem Niveau. Insgesamt gab es zuletzt fast 200 000 Studierende im Studienbereich Maschinenbau/Verfahrenstechnik. Das waren laut Arbeitsagentur doppelt so viele wie um die Jahrtausendwende. Es scheint so, als habe nicht nur die jahrelange Warnung vor einer drohenden Ingenieurlücke ihre Wirkung nicht verfehlt, sondern als übe auch das Auto und die Frage nach dem Fortbewegungsmittel der Zukunft auf junge Menschen nach wie vor einen unglaublich großen Reiz aus.

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