Weniger Arbeitslose in Spanien

Besonders starker Rückgang, aber viele "Müllverträge"

hcr. MADRID, 4. Januar. Spanien hat im vergangenen Jahr nach Angaben der Regierung den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit seit mindestens 20 Jahren registriert. Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Arbeitslosen um 390 534 Personen ab, wie das Arbeitsministerium in Madrid jetzt mitteilte. Seit dem Beginn der Erstellung der entsprechenden Statistik im Jahr 1997 habe es keine ähnlich starke Abnahme gegeben. Zugleich seien 540 655 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. Zum ersten Mal seit sechs Jahren betrug die Zahl der Arbeitssuchenden mit 3,7 Millionen weniger als 4 Millionen; die Arbeitslosenquote sank unter 20 Prozent.
Eine aktuelle Quote nannte das Ministerium nicht. Laut der nationalen Statistikbehörde lag sie im dritten Quartal 2016 bei 18,9 Prozent. In den vergangenen vier Jahren habe die Zahl der Arbeitslosen um mehr als eine Million abgenommen, hieß es weiter aus dem Arbeitsministerium. Die Mehrzahl der neuen Arbeitsstellen ist jedoch befristet und bietet kaum Aussicht auf eine Festanstellung. Unter jungen Spaniern ist deshalb oft von „Müllverträgen“ die Rede. Viele von ihnen suchten deshalb im Ausland Arbeit.
Zur Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt trug besonders der Tourismus bei. Allein mehr als 10 Millionen Deutsche besuchten im vergangenen Jahr Spanien; so viele waren es noch nie. Besonders im Hotel- und Gastgewerbe entstanden neue Arbeitsplätze. Auch der Dienstleistungssektor und die Baubranche entwickelten sich nach Angaben des Arbeitsministeriums gut. Die Spanier selbst sind wieder stärker in Kauflaune als in den Jahren zuvor. Nach Angaben der Beratungsfirma Adecco trug das Weihnachtsgeschäft zu zusätzlich 93 420 Arbeitsverträgen bei.
Mit Blick auf das Wirtschaftswachstum nimmt die viertgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone mittlerweile mit 3,2 Prozent einen Spitzenplatz ein. Spanien ist damit jedoch noch nicht über den Berg. Nach offiziellen Angaben beträgt die Jugendarbeitslosigkeit immer noch rund 42 Prozent. Fast 60 Prozent der Arbeitslosen suchen schon länger als ein Jahr eine Stelle. Viele von ihnen sind schlecht qualifiziert. In den nächsten Wochen ist Ministerpräsident Mariano Rajoy, der eine Minderheitsregierung führt, auf die Unterstützung der Opposition angewiesen, um endlich den neuen Haushalt durchs Parlament zu bringen.

Alle Rechte vorbehalten © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte für F.A.Z.-Inhalte erwerben Sie auf www.faz-rechte.de