Günstiger telefonieren auf Reisen

Die Zeiten der Roaming-Aufschläge in Europa sind vorbei - zumindest für alle normal Reisenden

Datenroaming

hmk. BRÜSSEL, 15. Juni. Ein Jahrzehnt haben die EU-Institutionen und die Mobilfunkanbieter über die Roaming-Aufschläge für Telefonate, das Versenden von Kurznachrichten und das Surfen im Internet im EU-Ausland gerungen. Seit Donnerstag sind die Aufschläge nun für alle Auslandsreisen Geschichte: Wer in Rom den Urlaub verbringt, eine Dienstreise nach Brüssel unternimmt oder ein Wochenende in Barcelona verweilt, muss für die Nutzung des Mobiltelefons nur noch das bezahlen, was er auch im Heimatland zahlen müsste. Die Zeiten, in denen die Handyrechnung nach dem Urlaub für manchen Reisenden einen regelrechten Schock verursachte, sind vorbei. Die Anbieter müssen die Tarife automatisch umstellen. Aktiv werden muss der Kunde dafür nicht.

Dennoch warnen Verbraucherschutzverbände die Mobilfunknutzer nicht zu Unrecht vor negativen Überraschungen. Denn auf eine Reihe von Dingen müssen die Kunden weiterhin achten. Das gilt zum einen für das Gebiet, auf dem die neuen EU-Regeln gelten. Das ist zunächst einmal die Europäische Union selbst – dazu gehört natürlich auch noch Großbritannien. Darüber hinaus gilt die EU-Roaming-Verordnung in Kürze auch in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums, also Liechtenstein, Norwegen und Island. Ausgenommen ist aber die Schweiz, die für viele Urlaubsreisende Transitland ist. Wenn sich dort das Handy kurz einloggt und etwa eine Whatsapp-Nachricht empfängt, kann es teuer werden. Das Gleiche gilt für Monaco. Nicht von den niedrigen Tarifen profitieren auch all diejenigen, die auf Schiffen im Mittelmeer oder anderswo auf hoher See ihr Handy nutzen wollen.

Darüber hinaus müssen sich all jene keine Gedanken machen, die ihr Handy im Ausland im normalen Rahmen nutzen. Anders sieht das bei denen aus, die sich länger im Ausland aufhalten. Auf sie können weiter Roaming-Aufschläge zukommen. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass Kunden im Ausland gezielt Verträge mit billigen Handytarifen abschließen, um diese dann ausschließlich oder überwiegend in der Heimat zu nutzen. Grundsätzlich gilt, wer mehr Zeit daheim verbringt als im Ausland, hat nichts zu befürchten. Wer innerhalb eines Zeitraums von vier Monaten aber mehr Zeit im Ausland verbringt, muss mit Fragen seines Anbieters rechnen, warum das der Fall ist. Wird das Handy darauf weiter stärker im Ausland genutzt, kann der Anbieter Roaming-Aufschläge erheben, allerdings höchstens 3,2 Cent je Minute für Anrufe und 1 Cent je SMS. Bei Datendiensten gilt zunächst ein Höchstaufschlag von 7,70 Euro je Gigabyte, der bis Anfang 2022 schrittweise auf 2,50 Euro sinkt.

Erlaubt ein Handyvertrag unbegrenzte mobile Datendienste oder sehr günstige Dienste, kann ein Anbieter nach klaren Regeln festlegen, dass die Nutzung von Datendiensten im Ausland ein bestimmtes Niveau nicht überschreiten darf. Die Schwelle muss er mitteilen. Sie muss den normalen Roaming-Bedarf abdecken. Für das, was darüber hinausgeht, gelten dieselben Obergrenzen wie für die übermäßige Handynutzung im Ausland. Noch etwas ist zu beachten: Anrufe ins Ausland bleiben in vielen Fällen teurer als Inlandsgespräche. Wer als deutscher Kunde in Spanien seinen Reisebegleiter auf einer spanischen Nummer anruft, zahlt weiter den höheren Auslandstarif.

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