Studieren in internationalen Metropolen: London

Wer in London studiert, kommt ohne die Unterstützung anderer kaum aus.

Horrende Studiengebühren, hohe Mieten und verstopfte Straßen kosten Nerven – aber für alles gibt es Auswege.

Studium in London

„Diese Stadt zieht einen mit“

Von Marcus Theurer

Für Pamina Karl führte der Weg nach London über Kairo. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erfahrungen, die ich in Ägypten gemacht habe, sehr wichtig waren“, sagt die deutsche Studentin an der London School of Economics (LSE), die zu den renommiertesten sozialwissenschaftlichen Universitäten der Welt zählt. Pamina Karl ist 25 Jahre alt, und bevor sie an die LSE ging, hat sie im oberschwäbischen Ravensburg Betriebswirtschaft studiert. Nach dem Abschluss dort ging sie – trotz Militärputsch und blutiger Unruhen – im Sommer 2013 für zehn Monate nach Kairo, um ein Praktikum bei einer Wohltätigkeitsorganisation zu machen.

„Meine Eltern waren von der Idee zuerst nicht besonders begeistert“, sagt sie. Aber die Reise mitten in den Arabischen Frühling war nicht nur spannend – auch beim ziemlich anspruchsvollen Auswahlverfahren an der Londoner Eliteuniversität dürfte der Aufenthalt im Nahen Osten geholfen haben. „Gute Noten sind natürlich Voraussetzung, aber die LSE will außerdem Studenten mit einem interessanten Background haben“, sagt sie. Heute büffelt sie an der Hochschule in der Nähe von Covent Garden für ihren Masterabschluss in Public Administration. Ihr Traumjob? „Einmal bei den Vereinigten Nationen in Wien zu arbeiten, das wäre toll“, sagt die Studentin.

Pamina Karl ist eine von rund 14 000 jungen Deutschen, die an einer britischen Universität studieren – und für viele ist die Weltstadt an der Themse das Traumziel. „London hat Drive, und das macht einen auch selbst schneller. Diese Stadt zieht einen mit“, schwärmt Pamina Karl, die seit knapp zwei Jahren in London lebt. Wegen des Lebensgefühls und seiner guten Universitäten, ist London ein Magnet für Studenten aus aller Welt geworden. Die LSE ist hier nicht die einzige Hochschule von Weltrang: Auch andere, wie das University College London, das Imperial College und das King’s College, spielen in dieser Liga. Mit dem Royal College of Arts und der University of the Arts sitzen zudem zwei der angesehensten Kunsthochschulen der Welt in London.

Für ihr Fach sei die britische Hauptstadt „the place to go“ in Europa, sagt die junge Kroatin Anja, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Die junge Grafikdesignerin macht einen Master in Illustration am Camberwell College of Arts im Südlondoner Stadtteil Peckham. Das College ist Teil der University of the Arts. Die tragische Rocklegende Syd Barrett, Gründungsmitglied von Pink Floyd, hat in Camberwell einst Malerei studiert.

Anja ist von Londons Internationalität und Weltoffenheit begeistert. „Das Tolle ist die Vielfalt an Menschen. Hier triffst du Leute von überall“, sagt sie. Das gilt nicht nur für die Hauptstadt, sondern auch für Großbritanniens Universitäten insgesamt: Nach den Vereinigten Staaten hat das Land den zweitgrößten Anteil ausländischer Studenten. Laut OECD hat einer von zehn Studierenden auf der Insel keinen britischen Pass. In der Metropole London allerdings ist der Anteil in vielen Studienfächern weit höher. In der Masterklasse für Illustration in Camberwell sind die Briten klar in der Minderheit: Mehr als drei von vier Studenten an der Kunsthochschule stammen aus dem Ausland, die meisten aus China.

So faszinierend diese Stadt ist – einen großen Nachteil hat London: Das Leben in der Metropole ist höllisch teuer. Vor allem die Wohnungskosten sind schwindelerregend. Eine eigene Wohnung ohne WG-Mitbewohner können sich nicht nur die allermeisten Studenten kaum leisten. Selbst viele Akademiker, die längst im Berufsleben stehen, wohnen aus Kostengründen weiter in der WG. Die kroatische Kunststudentin Anja ist der Einfachheit halber direkt nach Peckham gezogen, ganz in die Nähe ihrer Hochschule. Das spart im chronisch überlasteten öffentlichen Nahverkehr Zeit, Geld und Nerven, die sonst für das Pendeln draufgingen. Außerdem ist Peckham, das an der Themse derzeit als angesagtes Szeneviertel gilt, einer der erschwinglicheren Stadtteile.

Wo soll man mit der Wohnungssuche beginnen, in Europas größter Stadt, die rund 8,5 Millionen Einwohner zählt? Grob gesagt gilt: Südlich der Themse und im Osten Londons sind die Mieten tendenziell erschwinglicher als im Norden und Westen. Dafür allerdings ist dort auch die Anbindung an die U-Bahn oft bescheiden. Stattdessen muss man den Bus nehmen, der wiederum oft im Stau steckt. Wagemutige trauen sich auch auf dem Fahrrad in den ziemlich halsbrecherischen Straßenverkehr der Hauptstadt.

Dass London teuer sein würde, darauf habe sie sich eingestellt, bevor sie hierher gekommen sei, sagt die Kunststudentin Anja. „Aber in Wahrheit ist es noch viel teurer, als ich erwartet hatte.“ In Peckham, das gut sechs Kilometer südöstlich von Big Ben liegt, zahlt sie für ihr WG-Zimmer 180 Pfund, umgerechnet also rund 230 Euro – allerdings nicht im Monat, sondern in der Woche. In London ist das ein ziemliches Schnäppchen. Dafür teilt sie die WG mit fünf Mitbewohnern, darunter einem angehenden Arzt aus Indien, der gerne morgens um halb acht nach der Nachtschicht im Krankenhaus Curry kocht.

Außerdem ist Peckham in den vergangenen Jahren zwar ziemlich hip geworden, aber das multikulturelle Stadtviertel ist weiterhin ein sozialer Brennpunkt. In London gibt es den flapsigen Spruch von der „Peckham-Rolex“. Gemeint sind damit elektronische Fußfesseln, die dort angeblich soziale Statussymbole sind wie Luxusuhren in Mayfair. Dass das Viertel ein rauhes Pflaster ist, kann Anja bestätigen: In ihrer WG wurde binnen weniger Monate bereits zweimal eingebrochen. Die Studentin hat inzwischen genug von der Gegend. Sie will weg aus Peckham. Billige Mieten hin oder her.

Wie viel kostet also das Studentenleben in London? Das hängt natürlich stark vom Lebensstil ab. Anja sagt, sie komme einschließlich Miete mit knapp 1000 Pfund im Monat über die Runden. Sehr viel karger geht es allerdings kaum in dieser Stadt. „Manchmal ist es schon frustrierend“, sagt sie. London habe zwar kulturell extrem viel zu bieten. „Aber dafür braucht man eben auch das Geld.“ Mit 1500 Pfund im Monat müsse man rechnen, wenn man ein halbwegs normales Leben führen wolle, berichtet die deutsche LSE-Studentin Pamina Karl. Sie teilt sich mit ihrem Freund ein WG-Zimmer im zentral gelegenen Stadtteil Paddington im Westen Londons.

Außerdem sind da noch die Studiengebühren, die an englischen Universitäten erhoben werden: Die gesetzliche Obergrenze für Bachelorstudiengänge wurde vor einigen Jahren von der Regierung auf 9000 Pfund im Jahr angehoben – und viele Hochschulen verlangen den Höchstsatz. Weiterführende Studiengänge sind teilweise sehr viel teurer: An der LSE kostet beispielsweise ein zehnmonatiger Masterkurs in Finanzwirtschaft sagenhafte 32 000 Pfund.

Die Studiengebühren für einen zweijährigen MBA betragen insgesamt 50 000 Pfund. Wem das zu teuer ist, für den könnten Städte wie Edinburgh und Glasgow eine Alternative zu London sein. Im halbautonomen Schottland, wo die linke Scottish National Party (SNP) regiert, sind die Universitäten, im Gegensatz zu denen in England, nämlich kostenlos.

Die LSE-Studentin Pamina Karl rät, sich von Studiengebühren und teuren Wohnungen nicht entmutigen zu lassen. „Die Hälfte der Studenten hier hat Stipendien“, sagt die junge Deutsche. Auch Anja, die für den Masterkurs in Illustration an der Kunsthochschule in Camberwell 9000 Pfund bezahlt, hat ein Stipendium. Pamina Karl empfiehlt allen, die erwägen, einen Masterabschluss im Ausland zu machen, frühzeitig mit der Recherche zu beginnen.

„Man sollte damit mindestens ein Jahr vorher anfangen“, sagt sie aus eigener Erfahrung. Sie selbst hat sich an insgesamt acht britischen Universitäten beworben. Eine gute erste Anlaufstelle für Informationen zu Fristen und Bewerbungsverfahren im britischen Hochschulsystem ist der Universities and Colleges Admission Service (UCAS).

Die Aufnahmeprüfungen sind, speziell an Eliteuniversitäten wie der LSE, hart. Eine wesentliche Rolle bei der Bewerbung für einen Masterstudiengang spielt das sogenannte Motivationsschreiben, in dem der Interessent in knapper Form erklärt, warum er sich um einen Studienplatz bewirbt. „Bevor man das abschickt, würde ich den Entwurf unbedingt anderen zum Lesen geben, um ein Feedback zu bekommen – und zwar nicht nur Mama, Papa und dem Freund“, sagt Pamina Karl. Sie empfiehlt, sich mit Studenten, die bereits an derselben Universität sind, in Verbindung zu setzen, etwa via Linkedin oder Facebook.

Sie selbst hat es nicht bereut, dass sie nach London gegangen ist. „Für mich war die Entscheidung, meinen Master nicht in Deutschland, sondern hier zu machen, die beste Entscheidung“, sagt sie. Trotz aller Hindernisse: „London hat mir neue Horizonte eröffnet. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

Pralles Leben

Primrose Hill: Der Stadtteil im Norden Londons ist eine der feinsten Wohngegenden Londons. Hier ist das Leben ziemlich teuer. Einzige Ausnahme: der gleichnamige grüne Hügel, welcher der Gegend ihren Namen gegeben hat. Der perfekte Ort für ein Sommerpicknick – und der majestätische Panoramablick über Europas größte Stadt ist kostenlos.
Aquatics Centre Stratford: Die kürzlich verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid hatte nicht nur ihr Büro in London. Sie hat hier auch gebaut. Zum Beispiel die Schwimmhalle für die Olympischen Sommerspiele 2012. Sie ist eine der spektakulärsten der Welt. Mittlerweile kann in dem 50-Meter-Becken im Ostlondoner Stadtteil Stratford jeder seine Bahnen ziehen.

Sky Garden: In London steht das größte Hochhaus der EU – der „Shard“ (die Scherbe). Ganz oben gibt es eine Aussichtsplattform. Aber der Eintritt ist ziemlich teuer. Eine gute Alternative ist der „Sky Garden“ im obersten Stockwerk eines neuen Hochhauses in der Nähe der Bank von England. Tickets müssen zwar vorgebucht werden – sind aber gratis.

The Ginger Pig: London macht hungrig, und „sausage rolls“ – Blätterteigpasteten mit Hackfleischfüllung – sind ein englischer Klassiker. Oft ist die Qualität zwar ziemlich bescheiden, aber es gibt Ausnahmen. Die besten „sausage rolls“ in der ganzen Stadt kann man in den sieben Filialen der Metzgerei Ginger Pig kaufen. Besonders lecker: die Geschmacksrichtung „Pork and Stilton“.

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